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Brauch:
02. Februar

"Maria Lichtmess"

Maria Lichtmess

Das Fest heißt auch Darstellung des Herrn
Der 2. Februar ist traditionell der Tag, an dem die Tannenbäume aus den Kirchen geräumt und die Krippenfiguren verpackt werden. Es ist das letzte Fest in der Weihnachtszeit.

Der Lichtmesstag am 2. Februar hat ein biblisches Ereignis als Festanlass: Weil das mosaische Gesetz vorschrieb, ein neugeborenes Kind innerhalb einer bestimmten Frist in den Tempel zu bringen folgten - der Tradition nach - auch die Eltern Jesu dieser Vorschrift. Nach den Vorschriften des Alten Testaments  galt die Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein. Die Frau musste ein Reinigungsopfer darbringen, wahlweise eine oder zwei Tauben oder in besonders gravierenden Fällen ein Schaf. Maria pilgerte also zu dieser ihrer Reinigung in den Tempel. Da außerdem Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst ausgelöst werden: er wurde zum Priester gebracht und vor Gott dargestellt. Als die Eltern zu diesem Zweck in den Tempel kamen, begegneten sie dem betagten Simeon und der Prophetin Hannah, die erkannten, dass Jesus kein gewöhnliches Kind ist und ihn als den Erlöser Israels. Dieses biblische Ereignis wurde zu einem christlichen Festanlass. Seit Anfang des 5. Jahrhunderts wurde in Jerusalem dieses Fest am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert. In Rom führte man dieses Fest 650 ein.

Kerzenweihe und Lichterprozession kamen erst später hinzu, wodurch sich der Name „Mariä Lichtmess” einbürgerte. Das hatte seinen Grund darin, dass an diesem Tag die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien geweiht wurden, weshalb Wachsmärkte, eben Licht(er)messen, durchgeführt wurden.

 

Bei der Berechnung des Tages nahm man im Mittelalter unterschiedliche Ausgangspunkte: Wo Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wurde, ergaben die 40 Tage, nach denen Jesus im Tempel dargestellt worden sein soll, den 2. Februar; war aber der 6. Januar Ausgangspunkt, kam man auf den 14. Februar. Letzteres war in Gallien der Fall. Es wird vermutet, dass nach der Verlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember und der Abwanderung von Lichtmess auf den 2. Februar, der alte Festtermin, der 14. Februar, neu gefüllt wurde und so der Valentinstag oder Vielliebchentag zustandekam.

Zu Mariä Lichtmess kommt noch einmal die weihnachtliche Lichtsymbolik zur Geltung: In der Kirche fand eine Lichterprozession statt und eine Kerzenweihe. Mancherorts wurden die Kerzen unterschieden: weiße Kerzen für Männer, rote für Frauen. Andernorts wurden besonders lange Kerzenstöcke in die Kirche getragen und geweiht, die dann zu Hause zerschnitten und den einzelnen Hausgenossen zugewiesen wurden. Das Licht, eben Christus, holte man so ins Haus und hatte ihn bei gemeinsamem Gebet, bei dem die Kerzen brannten, unter sich. Das galt besonders für das häusliche Rosenkranzgebet, bei Unwettern, bei schwerer Krankheit, Sterben und Tod.

Lichtmeß gilt auch als Termin größerer Hexensabbatte, markiert der Tag doch im heidnischen Kalender den Frühlingsanfang. Die geweihten Kerzen dienten auch darum besonders der Abwehr von Krankheiuten und Unwettern, da man als deren Auslöser die Einwirkung vonDämonen und Hexerei unterstellte. Der Blick in die Flamme soll auch zur Vorhersage taugen.
Besonders wertvoll sollen die geweihten Kerzen sein, wenn Mariä Lichtmeß auf einen Sonntag fällt.

Festgebäck waren die Crêpes, Pfannkuchen, die im Rheinland lautmalerisch an die französische Vokabel erinnern: Kreppchen hießen sie hier. Der Hausfrau, die beim Pfannkuchenbacken den ersten Pfannkuchen - natürlich ohne Zuhilfenahme anderer Mittel - so wendete, dass dieser Lichtmesscrêpe wieder in der Pfannenmitte landete, ging das ganze Jahr über das Geld nicht aus.

An diesem Tag wurden die Dienstleute entlohnt und hatten einige Tage arbeitsfrei, was man in Süddeutschland Schlenkeltage nannte. Die Knechte und Mägde besuchten ihre Angehörigen und feierten das Wiedersehen mit Umzügen und Festessen. Damals besiegelte ein schlichter Handschlag, ohne schriftliche Vereinbarung die Arbeitsverträge welche immer verlangten, ein volles Jahr zusammenzubleiben.

Lichtmeß war also auch ein wichtiger Tag im Wirtschaftsjahr. Ein Zahl- und Zinstermin wie auch an Martini . Wer von den Mägden und Knechten gehen wollte, sagte zum Bauern Machen wir Lichtmeß zusammen. Wenn er dann ein Zeugnis bekam, worauf er aber keinen Anspruch hatte, las er daraus "bis Lichtmess treu gedient"...

Für die Bauern begann nun die Feldarbeit, die Weihnachtszeit war offiziell zu Ende. Für die Handwerker hörte die Arbeit bei Kunstlicht auf, die am Montag nach dem Gedenktag des Erzengels Michael (29. September) begonnen hatte. Zur Feier des Tages gaben die Meister den Gesellen und Lehrlingen oft den Nachmittag frei, der so die Bezeichnung Lichtblaumontag erhielt und damit, wie Experten meinen, die sprachliche Vorlage für den berüchtigten Blauen Montag geboten hat.

Der Groundhog Day , die Beobachtung des Verhaltens eines Murmeltiers an diesem Tag in Punxsutawney , Pennsylvania , ist die Übertragung dieser Naturbeobachtung in den Kontext der Neuen Welt.

Vielen Menschen von heute dürfte der 2. Februar nur mehr als Los- oder Orakeltag für die Wetterentwicklung der kommenden sieben Wochen ein Begriff sein. Vielleicht auch durch die Volksweisheit, dass von diesem Tage an die Tageslänge täglich um einen „Hahnenschrei“ wachse Tatsächlich sind es bezogen auf die geografische Höhe von Kassel etwa drei Minuten, die es jeden Tag länger hell ist.

Die Krippe wird abgebaut und der Christbaum endgültig aus der Wohnung entfernt

Bauernregeln:

„ Ist's zu Lichtmess mild und rein / wirds ein langer Winter sein.“
„Lichtmess-Sonnenschein / bringt großen Schnee herein.“
„Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, / gibt`s noch sehr viel Schnee und Eis.“
„Ist's Lichtmess licht, / geht der Winter nicht.“
„Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, / ist der Frühling nicht mehr weit; / ist es aber klar und hell, / kommt der Lenz wohl nicht so schnell.“
„Lichtmess trüb / ist dem Bauern lieb.“
„Lichtmess im Klee, /
Palmsonntag (oder: Ostern ) im Schnee.“
„Weiße Lichtmess - grüne
Ostern .“
„Zu
Stephani a Muckngahn, zu Neujahr a Hahnentritt, zu Heilig Drei König a Hirschensprung und zu Maria Lichtmess a ganze Stund.“ - Gemeint ist die Verlängerung der Tage * .
„An Lichtmess fängt der Bauersmann / neu mit des Jahres Arbeit an“
„Wenn die Weiber auf Lichtmesse bei Sonnenschein tanzen, so geräth ihnen der Flachs dasselbe Jahr.”

 


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