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Freitag, 15. Dezember 2006

„Wir wünschen den Hausleut viel Segen und Glück“

Von: Heinrich Rehberg

Wildenwarter Trachtenkinder klöpfeln für einen guten Zweck

„Heut ist die heilige Klöpfeles-Nacht“. Seltsame Gestalten waren an den letzten beiden Donnerstagen in Wildenwart unterwegs: die Kinder des Trachtenvereins zogen mit rußverschmierten Gesichtern von Haustür zu Haustür, sangen ihre guten Wünsche für Haus und Hof und baten schließlich um eine Gabe. „Wir wünschen den Hausleut viel Segen und Glück“, verabschieden sich die Kinder, nachdem sie gesungen haben und dafür ein Tafel Schokolade, eine Orange, eine Tüte Selbstgebackenes oder auch ein paar Euro erhalten haben. Die Wildenwarter Trachtenkinder stellen den Erlös ihrer Klöpfeltage für eine notleidende Chiemgauer Familie zur Verfügung.

 

gefunden unter www.brauchtumsseiten.de

Zeugnisse für Volksbrauch und Volksglauben des Anklöpfelns sind seit Mitte des 15. Jahrhunderts aus Losbüchern belegt. Das Anklöpfeln in den Klöpfelnächten ist dort als ein weltlicher Brauch dokumentiert, der nicht auf das christliche Weihnachtsgeschehen bezogen war. Anklöpfeln galt vielmehr als auf den Jahreswechsel bezogener Orakelbrauch und war nicht unmittelbar mit Gabenheischen verbunden. Durch Anklöpfeln wollte man die Zukunft erforschen. Wenn man z.B. zur richtigen Stunde an Stallwände klopfte, hörte man die Haustiere von den Toten des kommenden Jahres reden.

 

In Tirol war die Bedeutung der Klöpfelnächte (das sind die drei Donnerstage vor Weihnachten) als Lostermine noch im 19. Jahrhundert fallweise bekannt.

 

Für das Anklöpfeln als Heischebrauch liegen die ersten Nachrichten seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts vor. 1520 wird es bei Johannes Boemus erstmals als Kinderheischebrauch beschrieben. In der Folge kam es immer wieder zu Verboten oder Einschränkungen des Brauchs, weil er entweder gegen die öffentliche oder die kirchliche Ordnung zu verstoßen schien. Man wollte den öffentlichen Anstand beleidigende Mißbräuche verbieten, als unchristlich empfundenen Elemente beseitigen oder diese mit christlicher Deutung belegen. Die Verbote hatten im allgemeinen wenig Erfolg. Im Zuge der Gegenreformation setzte schließlich eine bewußt christliche Ausformung des Anklöpfelns ein, die allerdings sehr unterschiedlich Platz griff. In einem Osttiroler Gebetsbuch aus dem Jahr 1619 findet sich bereits eine Anleitung "wie man die drey Donnerstag vor Weihnachten soll geistlich anklöpfeln". Demgegenüber überwiegen in manchen Gegenden Südtirols, etwa im Sarntal noch heute die nicht-christlichen Elemente (Gabenheischen, Rügesprüche) in der Brauchausübung.

 

Als Träger des Brauches traten in Stadt und Land vor allem Kinder, Lehrjungen und arme Leute auf. Daß die Klöpfler teilweise vermummt auftraten, läßt sich aus frühen Zeugnissen vermuten, seit dem 19. Jahrhundert aus genauen Schilderungen belegen. Trotz der zeitweise fast völligen Reduzierung auf das Gabenheischen haben sich im Anklöpfelbrauchtum bis in unsere Zeit im wesentlichen vier Elemente gehalten: das Glück- und Segenwünschen (Jahreswechsel, gute Ernte), das Heischen bzw. die Beschenkung und Bewirtung, die Anlehnung an das Weihnachtsgeschehen und an manchen Orten das Aufsagen von Versen und Gegenversen zwischen Anklöpfler und Hausvater. Diese vier Elemente sind in den gegenwärtig noch geübten Brauchformen unterschiedlich stark ausgeprägt, sodaß das Erscheinungsbild des Anklöpfelns oder –klöckelns regional ganz verschieden sein kann. So haben sich etwa in Südtirol ganz andere Formen als in Nordtirol erhalten.

 

 


 


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