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Montag, 20. November 2017

Niemand lässt seine Heimat ohne Grund zurück

Von: Heinrich Rehberg

Volkstrauertag in Wildenwart

„Genau heute vor 75 Jahren am 19. November 1942 wurde die 6. Armee im Kessel von Stalingrad eingeschlossen. Offizielle deutsche Stellen gehen heute davon aus, dass etwa 200000 Mann im Januar/Februar 1943 in Gefangenschaft geraten sind, rund 6000 kamen nach langen Jahren zurück“, erinnerte der Vorstand des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart Heinrich Rehberg bei seiner Ansprache zum Volkstrauertag an der Wildenwarter Kriegergedächtniskapelle. Ein schneidiger Schneewind pfiff nasskalt um die Kapelle und die Musiker der Musikkapelle Wildenwart und die Fahnenbegleiter der Fahnen der Ortsvereine froren ganz erbärmlich ohne einen wärmenden Mantel. „Das Dorf hat ein langes Gedächtnis und erinnert sich auch heute noch an die Gefallenen und Vermissten der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts, deshalb kann keiner sagen: Es ist genug getrauert, es wird kein Gedenken mehr abgehalten, lasst die Toten endlich ruhen. Eine Kulturnation ehrt die Gefallenen des Gegners, genauso wie die eigenen. An allen Gedenktagen erinnern wir über unsere eigenen Toten hinaus auch an die Opfer anderer Völker und die der einstigen Kriegsgegner, über die Gräber hinweg sind im Tode alle gleich. Wir erinnern an sie – aber wir trauern nicht um sie, denn Trauer erfordert die persönliche Bindung“.

„Wir gedenken der Menschen, die vor über 70 Jahren aus ihrer Heimat vertrieben wurden, nach Flucht und Vertreibung kamen sie hierher nach Prutdorf, Bachham, Siggenham oder Prien - so wie auch heute Frauen, Kinder und Männer hierher kommen - und sie suchten Schutz und Unterkunft – so wie es Männer, Frauen und Kinder auch heute tun“, so Bürgermeister Jürgen Seifert aus Prien bei der Gedenkstunde am Wildenwarter Kriegerdenkmal in Prutdorf an die Opfer der Kriege – früher und heute. „Diese Menschen halfen damals entscheidend mit beim Aufbau unseres Landes und begründeten mit ihrem Fleiß unseren Wohlstand. Niemand lässt seine Heimat ohne Grund zurück, niemand geht aufs Geratewohl in das Unsichere eines fernen fremden Landes“,

„Das Fußballländerspiel England gegen Deutschland in der letzten Woche war etwas ganz Besonderes“, so Heinrich Rehberg weiter, „zum ersten Mal seit 100 Jahren erinnerten beide Mannschaften mit roten Mohnblüten am Oberarm an die Geschehnisse im Krieg vor 100 Jahren und gedachten damit der Millionen Toten des Ersten Weltkriegs. 100 Jahre Zeit brauchte es für dieses Symbol des Friedens zwischen den Völkern“. Auch in Wildenwart gebe es mit der Kriegergedächtniskapelle im Herzen der alten Gemeinde Wildenwart zwischen Hendenham und Siggenham ein starkes Symbol für den Erhalt des fragilen Friedens. „Am 17. Mai 1928 wurde diese Kriegergedächtniskapelle hier in Prutdorf eingeweiht, im kommenden Jahr feiern wir den 90. Geburtstag“. Sie wird von allen Vereinen gemeinsam genutzt.

Beim Gedenkgottesdienst in der Wildenwarter Christkönigskirche und beim Libera an der Kriegergedächtniskapelle gedachte Pfarrer Peter Bergmaier der Toten aller Kriege im Gebet. Zum Abschluss der Feierstunde am Kriegerdenkmal legten Bürgermeister Jürgen Seifert und Veteranenvorstand Heinrich Rehberg Kränze für die Opfer der Kriege und Gewalt, von Flucht und Vertreibung nieder. Die Gedenkveranstaltung, umrahmt von der Blaskapelle Wildenwart unter der Leitung von Sebastian Graf, endete mit dem Kanonensalut und dem Lied vom Guten Kameraden.


 


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