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Montag, 04. Dezember 2017

„Es ist gute christliche Tradition in Orten der Krankheit auch Heilsorte zu haben“

Von: Heinrich Rehberg

Weihe der Kapelle im Behandlungszentrum Aschau

„Es ist gute christliche Tradition in Orten der Krankheit auch Heilsorte zu haben“, so Weihbischof Wolfgang Bischof bei der Einweihung der Kapelle im Behandlungszentrum Aschau. „Christus will bei den Menschen sein und auch Krankheit und Gebrechlichkeit machen einen Teil unseres Lebens aus, auch da brauchen wir ihn als Begleiter“. Bei der Visitation vor ein paar Jahren sei er erstmals in diese Kapelle gekommen, damals habe sie den Charme der frühen 60-er Jahre versprüht, aber jetzt sei ein lichtdurchfluteter Raum entstanden, der weitum seinesgleichen suche. „Wir brauchen solche Orte, wir brauchen Häuser voller Licht“, so der Bischof, „mir ist das Herz aufgegangen, als ich den Raum nach so vielen Jahren, nach den Schäden des Hochwassers und jetzt nach dem Wiederaufbau gesehen habe“. Hier im Haus steht der Mensch auch in seiner Krankheit im Mittelpunkt des Geschehens, wir müssen den Menschen in Bewegung halten, darum versammeln wir uns um die Mitte des Raumes, Gott ist für alle gleich erreichbar.

Der Weihbischof, die Priester und Seelsorger des Oberen Prientales und Benediktinerbruder Mag. theol. Thomas Hessler (OSB) vom Europakloster Gut Aich in St. Gilgen gaben dem Bauwerk und der Einrichtung den Segen der Kirche. Weihbischof Bischof vollzog alle von der Liturgie geforderten Handlungen zur Weihe des Ambo, des Altares und des Tabernakels. Wohl nur wenige der geladenen Gäste, der Mitarbeiter im BZ Aschau und der Kinder aus dem Wohnheim dürften schon einmal eine solche umfangreiche Zeremonie der Weihe eines neuen Gotteshauses mitgemacht haben. Weihwasser, Weihrauch und Salböl aus der Hand des Bischofs machten aus den trivialen Glasgegenständen kultische Einrichtungen, die von nun an den amtierenden Priestern zur Verfügung stehen werden; die Brandmeldeanlage wurde im Vorfeld vorsorglich ausgeschaltet, sie hätte bei der Weihrauchentzündung in den neu gestalteten Flammenschalen mit Sicherheit Alarm gegeben. Im Altar wurde eine Silberkapsel mit Reliquien des heiligen Kapuzinerbruders Felix von Cantalice aus dem 16. Jahrhundert und des Seligen Bischofs Otto von Freising aus dem 12. Jahrhundert eingelassen. Diese Kapsel ist mit dem Siegel von Reinhard Kardinal Marx verschlossen.

Eine Kapelle für die Patienten, die Schwestern, die Mitarbeiter und die Aschauer Bevölkerung gehörte seit über 50 Jahren zur festen Ausstattung des BZ Aschau. Sie war karg ausgestattet, dunkel und „roch stets nach Keller“, wie es Geschäftsleiter Elmar Kuhn formulierte. 1965 wurde sie durch Julius Kardinal Döpfner eingeweiht. Bei der Visitation stellte Weihbischof Bischof fest, dass sich der Baukörper in einem schlechten Zustand befand und regte eine Renovierung oder einen Neubau an. Die Kapelle sei wichtig für das gesamte Haus, stelle aber kein Schmuckstück mehr dar. Ein Neubau sei mittelfristig wohl unverzichtbar. Beim großen Junihochwasser 2013 erledigte sich das Problem: die Kapelle stand unter Wasser und war fortan nicht mehr zu verwenden, eine Restaurierung war nicht möglich, ein Neubau musste erstellt werden. Elmar Kuhn machte sich – nachdem alle Schäden im Behandlungszentrum festgestellt und ein großer Teil bereits wieder abgestellt war - auf die Suche nach jemand, der einen würdigen Andachtsraum für Aschau schaffen könne.

Im Europakloster Gut Aich in St. Gilgen wurde er fündig: Bruder Thomas Hessler (OSB) hatte für Kloster Frauenchiemsee gerade die Gestaltung der Chorkapelle abgeschlossen und so konnte ihn Elmar Kuhn überreden, für Aschau tätig zu werden. „Lass ihn bauen, der Mann weiß, wie das geht“. Die Hauptschwierigkeit war, dass der Bau so ganz nebenher erfolgen musste, denn alles andere, der Operations- und Krankenhausbetrieb, die Schule und die Tagesstätte, mussten ja weiterlaufen. Daran ist das BZ Aschau allerdings gewohnt, seit vielen Jahren wird ständig irgendwo irgendetwas gebaut und trotzdem geht der Regelbetrieb immer weiter. Und so wurde alles anders in dieser Kapelle: aus einer dunklen Kapelle am Ende des Ganges wurde ein großer Raum voller Licht mit kunstvollen Glasfenstern. Der Raum ist nur sparsam möbliert, die Rollstühle und Liegebetten der Bewohner und Patienten können sich problemlos um den Altar gruppieren. Tabernakel, Altartisch und Ambo sind aus durchscheinendem farbigem Glas und lassen viele Einblicke zu, die Glasfenster bündeln das Licht der Morgen- und der Mittagssonne und verbreiten Wärme im Raum. Ein gutes Jahr dauerte der Ausbau, die Kosten betragen rund 1,2 Millionen Euro, so der Geschäftsführer, mit diesem Ausbau der Kapelle als Schlusspunkt seien die Umbaumaßnahmen wieder einmal weitgehend abgeschlossen. „Schön, dass wir so etwas noch bekommen haben“, meinte eine der letzten verbliebenen Klosterschwestern, die sich seit 100 Jahren um die Kinder kümmern. „Jetzt haben wir auch für die Seele einen Raum bekommen“.


 


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