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Donnerstag, 10. Mai 2018

„Wer Tracht trogt, der trogt spürbar Verantwortung auf der Haut“

 

67. Trachtenwallfahrt des Chiemgau-Alpenverbandes nach Raiten

Vielen Dank für die ausführlichen und aussagekräftigen Berichte und Fotos:

 

von Sybilla Wunderlich, Schleching:

Zum 67. Mal pilgerten die Wallfahrer aus den 23 Trachtenvereinen des Chiemgau-Alpenverbandes an Christi-Himmelfahrt in zwei langen Zügen von Unterwössen und Schleching nach Raiten zur Wallfahrtskirche „Maria zu den sieben Linden“. Den Zug begleiteten Gauehrenvorstand Otto Dufter, 1. Gauvorstand Schorsch Schinagl und Miche Hauser, 2. Gauvorstand. Für alle Bürger war Bürgermeister Josef Loferer dabei. Die Schlechinger Böllerschützen begrüßten jeden ankommenden Verein.

Bei schönstem Sonnenschein verteilten sich die Trachtler und die Besucher auf dem Kirchbichl. Es ist schon ein besonderes Erlebnis fürs Herz, Auge und Ohr, wenn alle 1.500 Anwesenden ihre Stimmen erheben und die Schubert-Melodie „Gloria“ singen, begleitet von der Musikkapelle Schleching.

„Wer Tracht trogt, der trogt spürbar Verantwortung auf der Haut“ sagte der Gauvorstand Miche Huber und zitierte aus dem Lied „Vertriebener“ von Heinz Rudolph Kunze, um zu erinnern, dass Flucht und Vertreibung auch 70 Jahre nach dem Krieg noch aktuell sind. „Tracht“ entspringt dem Wortstamm „tragen“ und so ist das Handeln geprägt von „Verantwortung tragen“ für die Gesellschaft. Integration zu leben, dazu bieten gerade Vereine die beste Möglichkeit. Kameradschaft, Heimatverbundenheit, Bräuche erhalten steht auf unseren Fahnen, wir laden herzlich Jung und Alt ein, um gemeinsam friedlich zu feiern mit einem christlichen Werteverständnis, bei dem man sich gegenseitig respektiert, war die Meinung von Miche Huber.

Pfarrer Klaus Hoffstetter aus Prien zelebrierte mit dem Orts-Pfarrer Martin Straßer den Gottesdienst an einem Freialtar am Kirchbichl. Er sprach seinen Dank an die Trachtenvereine aus, die auch dafür sorgen, dass die Kirche lebendig bleibt. In seiner Ansprache nahm er das aktuelle Thema „Kreuz“ als Erkennungszeichen der Christen auf. Er mahnte an, dass es nicht nur um den Hals getragen, in den Stuben daheim oder in Amtsstuben aufgehängt sein soll, sondern der Glauben auch gelebt wird. Das Leiden Christi am Kreuz gehört zum Glauben und so sollte der Christ auch heute nicht, bei den Wunden in der Gesellschaft wegschauen, mahnte der Pfarrer an.

Gauvorstand Miche Huber schloss mit einem Dank an alle Beteiligten, die zum Gelingen der Trachtenwallfahrt beigetragen haben, ein besonderer Dank ging an die Raitener Dorfgemeinschaft, die alles wieder liebevoll hergerichtet hatten.

Musikalisch gestalteten die Messe nach langer Tradition die „Musikkapelle Schleching“ unter Leitung von Walter Reisenauer, die „Schlechinger Sänger“ und die „Schlechinger Alphornbläser“.

Pfarrer Klaus Hofstetter gedachte am Soldatenkreuz der Verstorbenen. Die Feier klang mit der Bayernhymne aus.

 

von Anton Hötzelsperger, Atzing:

Chiemgauer Trachtler bekennen sich bei 67. Wallfahrt nach Raiten zu Kreuz und Integration

 

Das Kreuz ist nicht nur ein religiöses Symbol, sondern vielmehr ist das Kreuz ein Erkennungszeichen für die Christen, ein Erkennungszeichen für das Leben, für die Hoffnung und für das Heil“ – mit diesen Worten bat Pfarrer Klaus Hofstetter als heuriger Prediger bei der inzwischen 67. Wallfahrt der Chiemgauer Trachtler in Raiten (Gemeinde Schleching), dass die Trachtler und die Christen das Kreuz nicht nur tragen, sondern auch nach dem Kreuz leben sollen.

Pfarrer Hofstetter vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer feierte den Gottesdienst unter freiem Himmel bei der Kirche „Maria zu den sieben Hügeln“ zusammen mit Pfarrer Martin Strasser vom Pfarrverband Oberes Achental und dem gemeinsamen liturgischen Dienst aus Raiten und vom Trachtenverein Prien. In seinen weiteren Ausführungen sagte Pfarrer Hofstetter: „Auch wenn an Christi Himmelfahrt Jesus Christus in den Himmel aufgefahren ist, so ist er doch bei uns“. Und zum Thema „Kreuz“ erzählte er von einer jüngst gemachten Bittgang-Erfahrung, derzufolge es beim Gang durch den Ort nachdenkliche Stimmen zum Vorantragen des Kreuzes gab, worauf Pfarrer Hofstetter sagte: „Wenn wir das Kreuz nicht mehr öffentlich vorantragen dürften, dann würde etwas nicht mehr stimmen“.

Zum Tragen der Tracht sagte bei seinen Grußworten Gauvorstand Miche Huber: „Mit dem Tragen der Tracht spüren wir auf der Haut Verantwortung, diese müssen wir auch übernehmen, wenn wir 70 Jahre nach dem Kriegsende wieder Flucht und Vertreibung als Realität vorfinden. Unsere Trachtenvereine sind ein gutes Beispiel für Integration, lehnen wir uns nicht zurück und pflegen wir auch fortan ein festliches, friedliches und christliches Werte-Verständnis“.

Die Willkommensgrüße und Dankesworte des Gauvorstands galten Ehrenvorsitzendem Otto Dufter, den Vertretern der Nachbarsgaue Bayerischer Inngau und Gauverband I, der Musikkapelle Schleching unter der Leitung von Walter Reisenauer, den Schlechinger Sängern, den Schlechinger Alphornbläsern, sowie den Böllerschützen, der BRK, der Feuerwehr und der Polizeidirektion Grassau.

Dem Gottesdienst folgte noch ein Gedenken am Gefallenen-Grab sowie eine Einkehr beim neu eröffneten Wirt von Raiten.

Ein besonderer Dank galt noch der Raitener Dorfgemeinschaft, die in guter Abstimmung mit der Gemeinde Schleching und mit der Gärtnerei Glanz für eine glanzvolle Vorbereitung der Wallfahrt für die fast 2.000 Trachtlerinnen und Trachtler aus den 23 Trachtenvereinen des Chiemgau-Alpenverbandes gesorgt hatten.

 

Zitat: Heinz Rudolf Kunze: aus „Vertriebener“:

 

Alle gießen ihre Wurzeln, alle reden Dialekt.

Niemals Zeit gehabt, einen zu lernen.

Ich war immer unterwegs, ohne Grund und ohne Boden,

mein Geschäft ist Überleben und Entfernen.

 

 

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