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Sonntag, 21. Oktober 2018

In Marquartstein wird wieder „Schmarrn“ gemacht

 

Zum 50-jährigen Jubiläum freut sich der Trachtenverein Marquartstein-Piesenhausen über brillante Musiker und eine neue Aktivengruppe.

Beim großen Jubiläumshoagart anlässlich des 50-jährigen Zusammenschlusses des GTEV Marquartstein und des GTEV Piesenhausen zum GTEV Marquartstein-Piesenhausen hatte die Kindergruppe des Vereins nur „Schmarrn“ im Kopf. In einem kleinen Theaterstück rührten die Kinder betrübt in einer leeren Schmarrn-Pfanne, bis endlich ein Bua aufgeregt die gute Nachricht verkündete: „Wisst’ses scho?! Bald gibt’s wieder an Holzhacker-Schmarrn!“ Damit spielten die Kinder auf den Holzhacker an, ein Plattler der Aktiven, bei dem es einen Schmarrn aus der Pfanne gibt. In Marquartstein darf die Pfanne nun endlich wieder aufs Feuer: Nach längerer Zeit traten beim Jubiläumshoagart erstmals wieder Aktive des Trachtenvereins Marquartstein-Piesenhausen auf und beeindruckten die Zuschauer mit dem Kronentanz. Den Jubiläumshoagart hatte Jugendleiterin Claudia Hacher mit viel Herzblut organisiert. Gestaltet wurde er größtenteils von Kinder- und Jugendlichen aus dem Verein – sie überraschten wieder einmal mit ihren vielfältigen Talenten: Allen voran Katrin und Marlies Hacher und Lukas Entfellner, die zusammen mit Kilian Nißl aus Grassau und Martin Osterhammer aus Staudach als „Knopf-Soatn-Blech-Blosn“ für die richtige Musik sorgten. Sie sind seit dem Gewinn des Wasserburger Löwen vor einigen Monaten auch über das Achental hinaus bekannt. Ein echter Ohrenschmaus waren auch die feinen Gesangseinlagen der Geschwister Katrin, Marlies und Verena Hacher und die besinnlichen Stücke der Seewind-Harfendirndl und der Saitenweis-Musi. Den größten Applaus aber ernteten die vereinseigenen Kinder- und Jugendgruppen mit ihren Auftritten. Besonders der Auftanz mit fast zwanzig Paaren begeisterte die Zuschauer. Auch Trachtler aus den Patenvereinen „D’Hochplattner“ Grassau und „D’Staffelstoana“ Bernau waren mit ihren Vorständen Stefan Baumgartner und Franz Praßberger zum Gratulieren gekommen. Als Geschenk hatten sie ein Fass Bier und einige flotte Tänze dabei. Den unumstrittenen Höhepunkt des Abends bildete der Gemeinschaftsplattler. Bei der Ambosspolka plattlte, wer plattln konnte, von Jung bis Alt.

Vorstand Martin Heiler entführte die Zuschauer in seiner Ansprache in die Zeit des Zusammenschlusses und lobte vor allem die Weitsicht der damaligen Vorstände Matthias Aigner (Piesenhausen) und Rudolf Gnadl (Marquartstein). Beide engagierten sich nach Kräften für die gemeinsame Sache und hielten trotz Gegenwind in Form von Vereinsaustritten an ihrer Vision fest. Besonders amüsant: Die Vereinsaustritte waren nur vorübergehender Natur und die schärfsten Kritiker des Zusammenschlusses waren angeblich Marquartsteiner, die sich dem Piesenhausener Verein angeschlossen hatten. Die Bemühungen der Vorstände fruchteten: Am 10. November 1968 entschieden sich die Mitglieder des GTEV Marquartstein und des GTEV Piesenhausen in getrennten Sitzungen per Abstimmung für den Zusammenschluss der Vereine. Mit dieser Entscheidung war wieder zusammen, was zusammengehört, denn bei seiner Gründung im Jahr 1920 bestand der GTEV Marquartstein um Vorstand Martin Bayer aus Marquartsteinern und Piesenhausenern. Erst 1926 gründeten die Trachtler aus Piesenhausen ihren eigenen Verein und wählten Jakob Aigner als ersten Vorstand. Über vierzig Jahre lang gingen die Trachtler getrennte Wege, arbeiteten aber weitgehend kameradschaftlich und erfolgreich zusammen. Höhepunkte in dieser Zeit waren die Gründung des Chiemgau-Alpenverbandes am 25. Juli 1926 in Marquartstein. Die erste Fahnenweihe des GTEV Marquartstein am 8. Juli 1928 und die Weihe der ersten Fahne des GTEV Piesenhausen am 20. Mai 1929 und natürlich mehrere Gaufeste. Die Anfänge des GTEV Marquartstein-Piesenhausen waren stark vom ersten Vorstand Rudolf Gnadl geprägt. Er gab auch den Anstoß zur Gründung der Marquartsteiner Goaßlschnalzer und der Marquartsteiner Alphornbläser, die bis heute bestehen und in veränderter Besetzung auch am Jubiläumshoagart zu bewundern waren. In den vergangenen fünfzig Jahren hat der Verein Hoch-Zeiten erlebt wie das 60. Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes im Jahr 1996 oder unzählige erfolgreiche Teilnahmen am Gaupreisplattln. Doch es gab auch Durststrecken – über einige Jahre quälten Nachwuchssorgen den Verein. Nun, zum fünfzigsten Jubiläum, erstrahlt er wieder in altem Glanz. Die Wiederbelebung der Aktivengruppe des Vereins vervollständigt das Glück.


 


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