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Montag, 15. Oktober 2007

Brauchts einen Brauch?

Rubrik: Jahresmotto 2008 "Brauchtum"

Von: Heinrich Rehberg

Auftaktveranstaltung zum Jahresmotto 2008/2009 im Trachtenheim Hittenkirchen

Braucht man einen Brauch? Was geben Bräuche, Sitten und Riten den Menschen, die sie befolgen oder missachten? Beim Chiemgau-Alpenverband wird sich im kommenden Jahr alles um Bräuche und Brauchtum drehen. Die 23 Trachtenvereine des Chiemgaus wählten es als Jahresmotto 2008/2009 aus. So werden die Trachtler des Verbandes in den kommenden zwei Jahren den Begriff „Brauchtum“ und die unmittelbaren Auswirkungen auf den Verband, die Vereine und die Menschen drumherum ausloten. Mit der Laufzeit des Mottos von zwei Jahren soll eine tiefere Wirkung und längere „Haltbarkeit“ des Themas gewährleistet werden.

Gauvorstand Ludwig Entfellner betonte bei der Eröffnungsveranstaltung im Hittenkirchner Trachtenheim, dass die Vereine dieses Motto als Chance für eine sinnvolle Arbeit und nicht als Pflichtübung nutzen sollen. Die Satzung des Verbands stelle die Formulierung „Erhaltung und Verbreitung“ in den Vordergrund. Sitten, Bräuche und Riten wirkten sich nicht nur auf die Trachtenvereine und ihre aktiven Mitglieder aus, sondern hätten Auswirkungen weit in die Gesellschaft hinein. Hier gelte es zu prüfen, was an Bräuchen für die Trachtler, für die Gemeinschaft und für die Dörfer auf Dauer Bestand haben könne.

Anja Voit aus Oberwössen berichtete über Brauchtumsarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Verein. Überkommene Bräuche wie das Palmbuschn-Binden, Klöpfeln, Maibaumaufstellen und anderes solle durch Erzählungen „alter“ Vereinsmitglieder lebendig gemacht werden, solange das noch möglich sei. Die Verantwortlichen der Vereine sollten sich Gedanken machen, ob einige Bräuche nicht schon überholt seien oder im Zuge der Zeit verändert werden müssten. Oft gehe die Nachhaltigkeit verloren, da überkommene Bräuche nicht mehr den gleichen Sinn wie zur Entstehungszeit hätten. Leere Bräuche blieben leer und ohne Sinn. Die Vereine sollten versuchen das dörfliche Umfeld wie Schulen, Arbeitgeber und andere Vereine und Gruppierungen im Ort in die Brauchtumsarbeit einzubinden, nur dadurch seien bleibende Erfolge möglich. Die Bedeutung der Brauchtums-Anlässe oder verschiedener Feste – das beginne heute vielfach schon bei Weihnachten und Ostern - sei den meisten Leuten nicht mehr klar, aber nur durch Verständnis und Wissen könne man diese richtig genießen und Freude erleben. Nur durch das Vorleben und das daraus folgende Nachleben der Bräuche, durch gemeinsames Feiern und darüber reden könnten Bräuche lebendig bleiben.

Mit mehreren Arbeitsgruppen erarbeiteten die Vereine Antworten zu den Fragen, was denn nun Brauchtum sei, was es für den Einzelnen bedeute, wie Bräuche gelebt werden können und wo das Brauchtum in den Kommerz oder die Sinnlosigkeit abgleite.

Klaus Löhmann vom Trachtenverein Prien moderierte und fasste die Ergebnisse zusammen: vorhandene Bräuche könne nur die Gemeinschaft miteinander erhalten, dabei sei es sinnvoll mit anderen Vereinen gemeinsam vorzugehen. Eltern müssten den Kindern gewünschtes Brauchtum vorleben und erklären, nur durch Einsicht könnten viele überkommene Veranstaltungen, Bräuche und Riten am Leben gehalten werden. Der Jahreslauf solle für Brauchtumsveranstaltungen besser genutzt werden und alles solle zu seiner Zeit geschehen, Lebkuchen und Weihnachtsdeko im Sommer wirke nicht.

Gauvorstand Ludwig Entfellner erklärte, dass man sich für Bräuche die notwendige Zeit nehmen müsse, nur durch Vorleben und Vermittlung der Ursachen und des Sinns könne man Bräuche am Leben erhalten. Die Feinde des Brauchtums seien Gleichgültigkeit, Kommerz, Gedankenlosigkeit und zu wenig Zeit. Die Themen und Ergebnisse dieses Abends werden nun durch den Gauausschuss sortiert und aufgearbeitet. In den kommenden zwei Jahren werden sich alle Vereine vor allem mit den Bräuchen im Chiemgau befassen.