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Freitag, 13. Oktober 2017

Ein bissel was über Fahnen und Fahnenzeremoniell

Von: Heinrich Rehberg

Was man über die Fahne weiß und was man wissen sollte

Fähnrich mit Schärpe, Bandelier und Hutschnur als Zeichen seiner Würde

Fahnenabordnung mit Fahne abgenommen...

Fahne präsentiert

Fahne gesenkt; ein boarischer Fahn senkt sich nur vor dem Herrgott oder einem Toten

Fähnrich mit Fahne abgestellt

... präsentiert

... gesenkt

Fahnenträger - Fähnrich Fahnenjunker

Der Fahnenträger (nebeneinander sind beide Bezeichnungen Fähnrich und Fahnenjunker gebräuchlich) wurde besonders ausgewählt und hat die Fahne während des Gebrauchs pfleglich zu beschützen. Das Amt des Fähnrichs war immer ein Ehrenamt, das seinen Inhaber weit über die Gleichaltrigen heraushob. Als Zeichen seines Amtes und seiner Würde trägt er noch heute die Schärpe und die silberdurchwirkte Hutschnur, die ihn aus der Menge der Trachtler heraushebt. Der Trageriemen für die Fahne, das Bandelier, auch Stiefel oder Fahnenschuh genannt, wird als Tragehilfe gebraucht. Früher gehörten noch weiße Handschuhe zur Ausstattung, bei fast allen Vereinen tauchen sie in der Rechnung der Fahnenstickereien für die Erstausstattung auf. Der Fähnrich trägt stets Volltracht, das Ablegen der Trachtenjoppe ist für ihn und seine Begleiter auch bei heißer Witterung nur in Ausnahmefällen möglich. Zu seiner Fahne hatte der Fähnrich ein besonders enges Verhältnis. In der Chronik des Niederaschauer Vereins heißt es: „Der Fahnenjunker musste zur damaligen Zeit immer ein Jungherr sein. Wenn er heiratete, wurde ein neuer Fähnrich gewählt“.

 

Fahnenbegleiter - Fahnenzeremoniell

Das Fahnenzeremoniell schauten sich die Trachtenvereine bei den anderen Ortsvereinen ab, von Dorf zu Dorf gab und gibt es leichte Varianten; in der Grundordnung geht aber alles auf die Behandlung der Fahnen bei der königlich bayerischen Armee zurück, die jeder Bursch durch seine Wehrdienstzeit üblicherweise kannte. Die wenigen Regeln waren schnell zu erlernen und wurden von Fähnrich zu Fähnrich weitergegeben.

• Die Fahne wird grundsätzlich von zwei Burschen begleitet. Für sie gelten die gleichen Regeln, wie für den Fähnrich selbst, auch sie tragen die Schärpe und die Hutschnur. Wenn sie die Fahne tragen und begleiten, sind sie als Fahnenabordnung aus der Gesamtheit des Vereins herausgelöst; sie haben nur eine Aufgabe, ihre Fahne zu schützen und auf sie acht zu geben. Es ist ihnen während ihres Dienstes verboten, zu essen oder zu trinken, zu rauchen, sich zu setzen oder zu legen oder sonst etwas zu tun, wodurch ihre Aufmerksamkeit von der Fahne abgelenkt werden könnte.

• Die Fahne wird, wie die Infanteriefahnen der königlich bayerischen Armee, aufrecht im Tragegurt getragen, hat der Fähnrich sein Ziel erreicht, so nimmt er die Fahne ab und stellt sie an der rechten Schuhspitze ab. Tragen der Fahne über der Schulter, wie bei den Fahnen der Gebirgsschützen, ist nicht vorgesehen.

 

In der Kirche

• Beim Betreten einer Kirche senkt der Fähnrich die Fahne vor dem Altar und grüßt damit das Allerheiligste. Danach geht die gesamte Fahnenabordnung zu ihrem vorgesehenen Platz, die Fahne wird abgenommen und steht auf dem Boden auf. Betritt der Priester zum Beginn des Gottesdienstes die Kirche, werden die Fahnen zum Gruß des Vertreters des Allerhöchsten aufgenommen, während der heiligen Handlung steht die Fahne abgenommen. Nur noch einmal, zum Evangelium, präsentiert der Fähnrich, bei der Wandlung werden die Fahnen voller Ehrerbietung gesenkt. Stimmen Orgel und Chor das Te deum an werden alle Fahnen aufgenommen und präsentiert.

 

Totenehrung

• Gilt es einen Toten zu ehren, wird die Fahne dreimal über dem offenen Grab geschwenkt. Die Fahnen-Reverenz bei Begräbnissen und Trauerfeiern hat eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition. Fahnen werden ausschließlich vor dem Herrgott oder vor einem Toten gesenkt, sonst nicht.

 

Nationalhymne

• Beim Spielen einer Nationalhymne werden alle Fahnen präsentiert, die Fahnen werden aufgenommen und in den Tragegurt gestellt, die gesamte Fahnenabordnung bewegt sich nicht mehr bis zum Ende des Abspielens der Hymne. Das Verhalten aller Fahnenabordnungen, gleich welcher Vereine, Verbände oder Organisationen in allen Staaten ist dabei immer das Gleiche.

 

Fahnengruß

• Beim Aufeinandertreffen zweier Fahnen, so beim morgendlichen Eintreffen zum Beginn eines Trachtenfestes oder bei einer Veranstaltung von mehreren Vereinen, bei denen Fahnen mitgeführt werden, werden die Fahnen von beiden Fähnrichen zum Fahnengruß, manchmal auch Fahnenkuß genannt, miteinander gekreuzt, so dass sich die Fahnentücher gegenseitig berühren.

 

Grüßen der Fahne

• Schließlich noch das Verhalten beim Passieren der Ehrentribüne bei den großen Trachtenfesten: Die Fahne wird auf keinen Fall gesenkt, sie wird aufrecht im Tragegurt gehalten, dazu kommt dann ein (erkennbarer) Blickwechsel der gesamten Fahnenabordnung zur Ehrentribüne hin, die Fahnenabordnung schaut während des Vorbeiziehens zur Tribüne hin. Die Tribüne hat daraufhin die Fahnen zu grüßen, nicht umgekehrt, die defilierenden Fahnen sind das Symbol für die Gemeinschaft, für die Vereine und mit diesem Gruß der trachtlerischen und politischen Prominenz auf der Tribüne an die Fahne wird der vorbeiziehende Verein geehrt.

 

Auszug aus der Gauchronik Chiemgau-Alpenverband Seite 385 ff.

 


 


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