Öster­li­che Bräu­che — von Brauch­tums­war­tin Anja Voit

von Theresa Fritzenwenger am 7. April 2023

Chiem­gau (hö) –  Der Jah­res­lauf im all­ge­mei­nen, Bay­ern sowie­so und der Chiem­gau im Beson­de­ren erfreu­en sich reger Bräu­che. So auch zur Kar- und Oster­zeit wie ein Gespräch mit Anja Voit vom Trach­ten­ver­ein „D´Rechlberger“ Ober­wös­sen zeigt. Die Brauch­tums­war­tin des Chiem­gau-Alpen­ver­ban­des für Tracht und Sit­te pflegt die über­lie­fer­ten Gewohn­hei­ten selbst ger­ne mit ihrer Fami­lie, in ihrem Ver­ein, im Ort sowie im Gleich­klang mit der Kirche.

Gleich zu Beginn kommt Anja Voit auf das Oster­ei — das mit dem Hasen als Haupt­sym­bol des welt­li­chen und geschäft­li­chen Ostern gilt —  zu spre­chen. „Den an Grün­don­ners­tag geleg­ten Eiern wur­de eine beson­de­re Kraft zuge­sagt. Ein­ge­gra­ben im Acker soll­te es eine gute Ern­te brin­gen, auf den First gelegt soll­te es den Blitz abhal­ten oder ein­mal über das Haus gewor­fen soll­te es eben­falls Scha­den an Haus und Hof abhal­ten. Die­se Eiern, die auch ‘Ant­lass-Eier‘ genannt wur­den, hat­ten oder haben nach alter Über­lie­fe­rung eine beson­de­re Heil­wir­kung“. Ein wei­te­rer öster­li­cher, lei­der oft ver­ges­se­ner Brauch ist die Oster­krip­pe, ihre Bedeu­tung ist durch­aus der der Weih­nachts­krip­pe gleich­zu­stel­len. „Auch hier bewe­gen sich die Figu­ren wie zum Bei­spiel Maria Mag­da­le­na, Judas, Johan­nes, die römi­schen Sol­da­ten, das Volk oder Pon­ti­us Pila­tus. Die ver­schie­de­nen Dar­stel­lun­gen zei­gen am Palm­sonn­tag den Ein­zug Jesu in Jeru­sa­lem, am Grün­don­ners­tag die Sze­nen vom Jesus-Gebet im Gar­ten Geth­se­ma­ne sowie den Ver­rat durch Judas, am Kar­frei­tag die Kreu­zi­gung, am Kar­sams­tag das ver­schlos­se­ne Grab und am Oster­sonn­tag die Frau­en vor dem offe­nem Grab. Wei­te­re Dar­stel­lun­gen sind noch mög­lich mit der Sze­ne als der Auf­er­stan­de­ne Jesus zu den Emma­us Jün­gern spricht, das letz­te Abend­mahl, die Gei­ße­lung, die Gefan­gen­nah­me am Ölberg oder die Ver­ur­tei­lung Jesu“.

Weit­aus bekann­ter und auch wohl welt­li­cher als die Oster­krip­pen ist das an den Fei­er­ta­gen Oster­sonn­tag und Oster­mon­tag belieb­te Eier-Schei­ben mit zwei zusam­men­ge­stell­ten Rechen. Beim „Oar­scheibn“ freu­en sich beson­ders Kin­der, wenn ihr abge­roll­tes Ei ande­re Eier vor den Rechen trifft. Wenn dabei die auf den Eiern lie­gen­den Mün­zen auf­grund des Kon­tak­tes zu Boden fal­len, dann bekommt der Besit­zer des abge­roll­ten Eis das Geld. Die­ser Brauch hat in Fami­li­en, Nach­bar­schaf­ten und Ver­ei­nen ver­stärkt Ein­zug gehalten.

Oster­feu­er: in Reit im Winkl mit Baum­schwam­merln heimgetragen

Eng mit der Kir­che und mit dem Glau­ben ver­bun­den ist das Wei­ter­tra­gen des Oster­feu­ers vom Oster­sonn­tag­mor­gen, dazu weiß die Ober­wös­sene­r­in: „Man­cher­orts, zum Bei­spiel in unse­rer Nach­bar­ge­mein­de Reit im Winkl wer­den Baum­schwam­merl an Dräh­ten befes­tigt, am kirch­li­chen Oster­feu­er ent­zün­det  und durchs Schwin­gen zum Glü­hen gebracht. So wird das Feu­er von Haus zu Haus gebracht, dabei gibt es eine klei­ne finan­zi­el­le Beloh­nung. Dies galt auch eine Woche vor­her am Palm­sonn­tag als schlich­te oder mit far­bi­gen Bän­dern zusam­men­ge­hal­te­nen Palm­bu­schen nach der kirch­li­chen Wei­he von den jun­gen Trä­gern in der Ver­wandt­schaft und Nach­bar­schaft gegen frei­wil­li­ge und in der Regel ger­ne gege­be­nen Spen­den den Besit­zer wech­seln.  Bei die­sem schmü­cken die Palm­zwei­ge vor allem die haus­ei­ge­nen Herrgottswinkel.

Ein guter oder nicht mehr hör­ba­rer kirch­li­cher Brauch ist es in der Kir­che, dass ab dem Glo­ria in der Mes­se am Grün­don­ners­tag bis zur Oster­met­te am Kar­sams­tag die Kir­chen­glo­cken ver­stum­men. Des­halb kom­men wäh­rend die­ser Zeit die „Rat­schen“ zum Ein­satz. „Das Essen von etwas Grü­nem am Grün­don­ners­tag kommt nach mit­tel­hoch­deut­scher Sprach­fas­sung von Grei­nen oder Wei­nen und bezieht sich auf das letz­te Abend­mahl Jesu als die­ser von Judas ver­ra­ten wur­de und die Jün­ger wein­ten“ – so Anja Voit, die auch selbst noch dar­an fest­hält, dass am Kar­frei­tag gefas­tet und zudem fleisch­los geges­sen wird, denn der Kar­frei­tag ist wie der Ascher­mitt­woch ein höchs­ter Fei­er­tag. An die­sem „stil­len“ Fei­er­tag gibt es kei­ne Märk­te, kei­ne Ver­an­stal­tun­gen, kei­nen Tanz – und damit gute Vor­aus­set­zun­gen zur Ruhe zu kommen.

(Archiv)-Fotos: Höt­zel­sper­ger –  1. Sym­bo­le für Ostern (Der Auf­er­stan­de­ne in der Kir­che Christ­kö­nig Wil­den­wart, blü­hen­der Kirsch­zweig, Kar­frei­tags­ratschn Wil­den­wart)  2. Brauch des Oster­ei­schie­bens  — 3. Anja Voit, Brauch­tums­war­tin des Chiem­gau-Alpen­ver­ban­des für Tracht und Sitte