Tracht und Trach­ten­pfle­ge

von Otto Dufter jun. Unter­wös­sen.

Hoch­zeits­ge­sell­schaft in Ober­wös­sen um 1910

Die Ent­wick­lung der Tracht vor und nach der Grün­dung der Trach­ten­ver­ei­ne ist gänz­lich ver­schie­den! 
Vor der Grün­dung der Trach­ten­ver­ei­ne und dem Ein­set­zen der „Trach­ten­be­we­gung“ in Bay­ern war die Tracht neben den Beklei­dungs­re­geln der Stän­de viel­fäl­ti­gen Ein­flüs­sen und Ver­än­de­run­gen unter­wor­fen. Außer­dem waren gesell­schaft­li­che Her­kunft, Beruf, wirt­schaft­li­che Situa­ti­on und per­sön­li­cher Geschmack des Trä­gers für Form und Gestal­tung ihres „G´wands“ aus­schlag­ge­bend gewe­sen. 
Die Idee einer Tracht im Sin­ne von Klei­dung einer bestimm­ten Bevöl­ke­rungs­schicht ist erst um 1800 ent­stan­den. Beein­flusst ist die­se Idee sicher durch die Ide­en Jean-Jac­ques Rous­se­aus — „Zurück zur Natur“ — und die „Ent­de­ckung“ des gemei­nen Vol­kes durch Herr­scher, Bür­ger und Intel­lek­tu­el­le. 
Mit Grün­dung der Trach­ten­ver­ei­ne Ende des 19. Jahr­hun­derts wur­de die Tracht zu einem Ver­eins­zweck! Da sich Ver­ei­ne nach Außen geschlos­sen prä­sen­tie­ren wol­len, um attrak­tiv für mög­li­che Mit­glie­der zu sein, wur­den Regeln für die Ver­eins­trach­ten auf­ge­stellt, die dann natür­lich auch im jewei­li­gen gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Rah­men gese­hen wer­den müs­sen. 
Tracht ist nun nicht mehr nur Aus­druck des Stan­des und der Per­son, son­dern Zei­chen für die Zuge­hö­rig­keit zu einem Ver­ein! Eine aus­sa­ge­kräf­ti­ge Trach­ten­ge­schich­te muss des­halb eben­falls im jewei­li­gen geschicht­li­chen und gesell­schaft­li­chen Kon­text gese­hen wer­den. 
Dies gilt auch für den regio­na­len Dach­ver­band der Trach­ten­ver­ein, dem „Gau“, der mit sei­nen „Regeln“ das Bild der Tracht all­ge­mein und im Detail beein­flusst. 

Im § 2 der Sat­zung des Chiem­gau-Alpen­ver-ban­des wird die „För­de­rung, Pfle­ge, Erhal­tung und Ver­brei­tung der boden­stän­di­gen Trach­ten“ als Ver­bands­zweck genannt.

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Die Stresemann–Hose

Georg Eisen­ber­ger

Die soge­nann­te Stre­se­mann­ho­se ist Bestand­teil des Cuts. Auch Cuta­way genannt weil die Schö­ße des Geh­rocks rund­ge­schnit­ten sind. Ein Tages­an­zug der zum Ende des 19.Jahrhunderts in Eng­land ent­stan­den ist. Bis heu­te trägt man die­sen Anzug noch ger­ne bei Hoch­zei­ten und offi­zi­el­len Anläs­sen. Gus­tav Stre­se­mann (Reichs­kanz­ler 1927 spä­ter Außen­mi­nis­ter in der Wei­ma­rer Repu­blik) ließ sich den lan­gen, eher unbe­que­men Geh­rock kür­zen und gab somit dem Anzug den Namen. Zu der Zeit gab es auch schon den forst­grü­nen Anzug.
Georg Eisen­ber­ger, Ruh­pol­din­ger Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ter bis 1932, trug die­ses Gewand auch in der Haupt­stadt Ber­lin. Zu Hoch­zei­ten wur­den in den 20er und 30er Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts fast aus­schließ­lich der schwar­ze Anzug getra­gen. Dabei kam wohl auch die gestreif­te Hose zum Ein­satz. Bis vor etwa 30 Jah­ren wur­de im Mies­ba­cher Raum ein schwar­zer Nadel­strei­fen-anzug bei Trach­ten­hoch­zei­ten getragen.Der Stoff die­ses Bein­klei­des war wohl so robust, das er die Jahr­zehn­te überdauerte.Bis in die 1990er Jah­re war die „Stre­se­mann“ die Sonn­tags­ho­se der älte­ren Herr­schaf­ten.
Vor ca 25 Jah­ren wur­de sie von den Jun­gen wie­der­ent­deckt. Bis heu­te ist sie sehr beliebt  bei Alt und Jung und hat die Bund­le­der­ho­se fast ver­drängt. Es ist eine fest­li­che Hose, die es ver­dient hat , auch bei sol­chen Anläs­sen getra­gen zu wer­den.