Fah­nen­we­sen

Fah­nen und Fah­nen­wei­he, Fah­nen­ze­re­mo­ni­ell

Fah­nen und Flag­gen haben immer schon eine wich­ti­ge Rol­le bei bedeut­sa­men Ereig­nis­sen in der Geschich­te der Mensch­heit gespielt; sie haben patrio­ti­sche Lei­den­schaft geweckt, die Freu­de bei Fest­lich­kei­ten und Fei­ern ver­stärkt oder bei einem Trau­er­an­lass erns­te, fei­er­li­che Wür­de zum Aus­druck gebracht. Das hat sich in moder­ner Zeit nicht ver­än­dert. Die Fah­ne war als Kampf- und Sie­ges­zei­chen, aber auch als all­ge­mei­nes Herr­schafts­zei­chen schon Ori­en­ta­len, Chi­ne­sen, Römern und Ger­ma­nen bekann. Im frü­hen Alter­tum befan­den sich auf der Fah­ne als Sinn­bil­der meis­tens Tier­dar­stel­lun­gen, so in Ägyp­ten, Assy­ri­en, Indi­en und Per­si­en, aber auch bei den alten Grie­chen und Römern (Adler-Sym­bol). Kai­ser Kon­stan­tin der Gro­ße benutz­te als ers­ter das Kreuz als reli­giö­ses Sie­ges­zei­chen auf der Wap­pen­fah­ne (Schlacht an der Mil­vi­schen Brü­cke „In hoc signo vin­cis“). Aus den römi­schen Mili­tär-Fah­nen ent­stand dann die Kir­chen­fah­ne, wie sie mit ihrer Quer­stan­ge noch heu­te bei den Pro­zes­sio­nen der katho­li­schen Kir­che in Gebrauch ist. Die „Hei­li­gen-Fah­nen“ gewan­nen dar­über hin­aus mit der Ein­füh­rung der Fah­nen­wei­he und des Fah­nen­se­gens an Bedeu­tung, als Fah­nen im Abend­land end­gül­tig auch in krie­ge­ri­schen Gebrauch genom­men wur­den; so beson­ders zum hei­li­gen Krieg der Kreuz­zü­ge oder zu päpst­li­chen Fah­nen-Ver­lei­hun­gen seit der ers­ten Hälf­te des 11.Jahrhunderts vor allem bei den Jeru­sa­lem­fah­rern. 

In der abend­län­di­schen Geschich­te kommt eine beson­de­re Dar­stel­lung auf dem Fah­nen­tuch erst seit dem Beginn des Wap­pen­we­sens vor. Fran­sen­be­satz an den Fah­nen­sei­ten ist seit 1100 nach­weis­bar. Gestick­te Fah­nen kennt man seit etwa 1500, dabei wur­den ech­te Gold- und Sil­ber­fä­den ver­wen­det; bemal­te Fah­nen waren über Jahr­hun­der­te die Regel. Bis ins 16. Jahr­hun­dert ist das qua­dra­ti­sche Ban­ner, des­sen Tuch die Zeich­nung des Wap­pen­schil­des wie­der­gibt, die nor­ma­le Form der Fah­ne für selb­stän­di­ge Her­ren. Seit etwa 1800 erhiel­ten die Fah­nen Orden und Inschrif­ten zur Erin­ne­rung an Schlach­ten. Den Trau­er­flor an der Fah­ne kennt man seit 1572. Fah­nen­bän­der, an der Spit­ze der Fah­ne befes­tigt, wur­den seit 1743 bei mili­tä­ri­schen Fah­nen von Staats­ober­häup­tern, bei nicht­mi­li­tä­ri­schen auch von Behör­den, Ver­bän­den und Ein­zel­per­so­nen gestif­tet. Die Fah­nen dien­ten ursprüng­lich im Kampf als Rich­tungs­zei­chen und Sam­mel­punkt für den Sol­da­ten des jewei­li­gen Fähn­leins. Aus die­ser Bin­dung erwuchs die Bedeu­tung der Fah­ne als Sym­bol der christ­li­chen und mili­tä­ri­schen Ehre und Treue („Für Gott und Vater­land“). 

Wie kirch­li­che Fah­nen — geschmückt mit reli­giö­sen Zei­chen oder Bil­dern — zur Aus­stat­tung von Pro­zes­sio­nen. Todes­fei­ern und fest­li­chen Anläs­sen gehö­ren, so gelang­te über das mili­tä­ri­sches Brauch­tum (z.B. die beson­ders aus­ge­präg­te Lands­knechts­fah­ne des 16.Jahrhunderts oder die Fah­ne im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg), über die kirch­li­chen Ver­ei­ne und Ver­bän­de die Fah­ne auch als Sym­bol und Zei­chen christ­li­cher Lebens­hal­tung in die Brauch­tums­ver­ei­ne als Zei­chen gemein­sa­mer Her­kunft und Zusam­men­ge­hö­rig­keit bei öffent­li­chen Auf­trit­ten. 

Fah­ne, Fah­nen­bän­der und Zube­hör

Bei den Trach­ten­ver­ei­nen ist der Wunsch nach einer eige­nen Fah­ne stets eines der ers­ten Ver­eins­zie­le nach der Grün­dung. Im aus­ge­hen­den 19.Jahrhundert sah man Fah­nen und Sym­bo­le, mehr noch als heu­te, als Sinn­bil­der für die Trach­ten­be­we­gung, als Sam­mel- und Ori­en­tie­rungs­punk­te für die jun­gen Ver­ei­ne. In den Dör­fern gab es in der Regel bereits meh­re­re Ver­ei­ne, die über Fah­nen ver­füg­ten: die Vete­ra­nen­ver­ei­ne wur­den im Chiem­gau nach 1815, bzw. nach dem Krieg von 1870/71 gegrün­det, die Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren ent­stan­den zwi­schen 1865 und 1880, auch vie­le Schüt­zen­ver­ei­ne, Bur­schen­ver­ei­ne Musik- und Gesangs­ver­ei­ne haben ihr Grün­dungs­da­tum im aus­ge­hen­den 19.Jahrhundert. Alle führ­ten sie bei Fei­ern, Fes­ten oder Pro­zes­sio­nen eine Fah­ne mit sich. Woll­te man als jun­ger, neu gegrün­de­ter Ver­ein mit den vor­han­de­nen Ver­ei­nen auf einer Ebe­ne ste­hen, so muss­te der neue Ver­ein sei­nen Mit­glie­dern auch ein ver­gleich­ba­res Sym­bol für den Zusam­men­halt stel­len.

Die Form und Art der Fah­nen waren vor­ge­ge­ben, die frü­hen Trach­ten­fah­nen wie­sen durch­weg die­sel­ben Maße auf, wie die ande­ren Ver­eins­fah­nen die­ser Epo­che. (Die­se Maße sind iden­tisch mit den Maßen der Fah­nen der Infan­te­rie­fah­nen des 19.Jahrhunderts.) 

Als Grund­far­be des Tuches wur­de grün bevor­zugt, erin­ner­te die grü­ne Far­be doch an die vor­herr­schen­den Far­ben der Trach­ten­be­klei­dung und an die Far­ben der Wie­sen und Wäl­der, kurz an die Hei­mat, deren Sitt und Tracht man erhal­ten woll­te. Die bei­den ande­ren mög­li­chen Far­ben — Blau und Rot — waren im Dorf bereits durch die Vete­ra­nen­ver­ei­ne und die Feu­er­weh­ren in Beschlag genom­men. Die Sym­bo­le auf den Fah­nen wech­sel­ten von Ort zu Ort, auf der Schau­sei­te der Fah­ne wer­den Moti­ve aus der enge­ren Hei­mat, Bau­denk­mä­ler, mar­kan­te Ber­ge, Hei­li­gen­dar­stel­lun­gen oder berühm­te Per­sön­lich­kei­ten bevor­zugt, die Rück­sei­te zie­ren in der Regel Blu­men oder Sze­nen aus dem Trach­ten­le­ben. Die Moti­ve wur­den zum Teil auf­ge­druckt, spä­ter dann gestickt. Heu­te ver­fü­gen die Ver­ei­ne durch­weg über hand­ge­stick­te Fah­nen, die in den weni­gen Fah­nen­sti­cke­rei­en des Lan­des noch in lang­wie­ri­ger Hand­ar­beit gefer­tigt wer­den. 

Als wei­te­res Zube­hör gehört zur Fah­ne die Spit­ze aus Mes­sing, meist mit einem Edel­weiß ver­ziert, der Fah­nen­stock oder Fah­nen­stan­ge aus Holz, heu­te zer­leg­bar und mit Mes­sing­be­schlä­gen ver­se­hen. Eine Lan­ze mit brei­ter Spit­ze war ursprüng­lich der Fah­nen­stock, die heu­ti­gen Spit­zen erin­nern zumin­dest in der Form noch an die Her­kunft. Die Fah­ne wur­de mit Mes­sin­g­nä­geln ange­na­gelt, in man­chen Gegen­den geht die­se fei­er­li­che „Nage­lung“ noch heu­te der eigent­li­chen Fah­nen­wei­he vor­aus.

Stan­dar­ten wer­den in der Früh­zeit der Trach­ten­be­we­gung kaum erwähnt, die klei­ne­ren, meist qua­dra­ti­schen, starr am Fah­nen­stock befes­tig­ten Stan­dar­ten waren in der Alten Armee vor Anno 1914 den berit­te­nen Trup­pen zuge­teilt und wur­den dar­um für die Tracht­ler oder ande­re Ver­ei­ne zu Fuß nicht gewählt. Erst in neue­rer Zeit wer­den auch bei eini­gen Ver­ei­nen Fah­nen in Stan­dar­ten­form geführt, der Chiem­gau-Alpen­ver­band hat seit 1984 sei­ne Gau­stan­dar­te mit dem Bild der Seli­gen Irmen­gard von Frau­en­chiem­see.

Fah­nen­bän­der sind bei den Trach­ten­ver­ei­nen von Anfang an belegt. Die Bän­der von Fah­nen­mut­ter und Fah­nen­braut, die Bän­der der Trau­er­mut­ter und der Festjungfrauen/Trachtendirndl, sowie das Band des Paten­ver­eins gehö­ren zur Grund­aus­stat­tung einer jeden Fah­ne. Reich gestickt wer­den sie bei der Fah­nen­wei­he an die Spit­ze der neu­en Fah­ne gehef­tet und erin­nern die Stif­ter und den Ver­ein zeit­le­bens an den Ehren­tag der Fah­ne. Zu beson­de­ren Anläs­sen – Grün­dungs­ju­bi­lä­en oder der Über­nah­me wei­te­rer Paten­schaf­ten — wer­den zusätz­li­che Fah­nen­bän­der gestif­tet; beson­ders aus der Früh­zeit der Ver­ei­ne um die Jahr­hun­dert­wen­de bis zum ers­ten Welt­krieg sind vie­le Bän­der als Prei­se erhal­ten geblie­ben, Meist- und Weit­prei­se, die vol­ler Stolz bei den fol­gen­den Trach­ten­fes­ten mit­ge­führt wur­den. 

Fähn­rich und Fah­nen­jun­ker

Die Fah­ne galt von jeher bei allen Völ­kern als ein Hei­lig­tum, ein Kult­ob­jekt, das — kirch­lich geweiht — an beson­de­rer Stel­le auf­be­wahrt wer­den muss­te. Vete­ra­nen­fah­nen wer­den in eini­gen Orten noch heu­te in der Kir­che oder in der Sakris­tei auf­be­wahrt. Die Trach­ten­fah­nen haben heu­te fast alle eine Her­ber­ge in einer Gast­stät­te des Dor­fes gefun­den oder wer­den (neu­er­dings) in den Fah­nen­schrän­ken der Trach­ten­hei­me ver­wahrt. 

Der Fah­nen­trä­ger (neben­ein­an­der sind bei­de Bezeich­nun­gen Fähn­rich und Fah­nen­jun­ker gebräuch­lich) wur­de beson­ders aus­ge­wählt und hat die Fah­ne wäh­rend des Gebrauchs pfleg­lich zu beschüt­zen. Wenn die Fah­ne in der Öffent­lich­keit ist, darf sie nicht aus der Hand ihres Trä­gers gege­ben wer­den. 

Das Amt des Fähn­richs war (und ist) ein Ehren­amt, das sei­nen Inha­ber weit über die Gleich­alt­ri­gen her­aus­hob. Als Zei­chen sei­nes Amtes und sei­ner Wür­de trägt er noch heu­te die Schär­pe und die sil­ber­durch­wirk­te Hut­schnur, die ihn aus der Men­ge der Tracht­ler her­aus­hebt. 

Die Schär­pe ist ein Relikt des frü­he­ren Wehr­ge­hän­ges zum siche­ren Tra­gen der blan­ken Sei­ten­waf­fen (Säbel, Degen), sie ver­läuft über die Schul­ter zur Hüf­te, so dass der (nicht vor­han­de­ne) Degen ohne Behin­de­rung frei gezo­gen wer­den kann. In den moder­nen Ordens­bän­dern hoher Stu­fen, die als Schär­pe getra­gen wer­den, wir­ken die frü­he­ren Wehr­ge­hän­ge eben­falls noch nach. Fähn­rich und rech­ter Fah­nen­be­glei­ter tra­gen die Schär­pe von der lin­ken Schul­ter zur rech­ten Hüf­te (Waf­fe rechts frei zugän­gig; rech­ter Beglei­ter Links­hän­der!), der lin­ke Fah­nen­be­glei­ter trägt die Schär­pe von der rech­ten Schul­ter zur lin­ken Hüf­te. Meist sind die Schär­pen zwei­far­big, bei den Trach­ten­ver­ei­nen weiß-grün ein­ge­färbt. (Vete­ra­nen­ver­ei­ne weiß-blau, Feu­er­weh­ren weiß-rot) Die Farb­ge­bung ist zunächst bei den Vete­ra­nen­ver­ei­nen – nach den baye­ri­schen Far­ben — nach­weis­bar, die ande­ren Orts­ver­ei­ne haben sich danach in den Grund­far­ben ihrer Fah­nen ange­schlos­sen. Bei meh­re­ren Ver­ei­nen wer­den inzwi­schen auch auf­wen­dig gestick­te Schär­pen getra­gen, die in ihrer Mach­art an Fah­nen­bän­der erin­nern und die Stel­lung des Fähn­richs und der Fah­ne beson­ders her­vor­he­ben. 

Die Hut­schnur ist, wie alle Ver­schnü­run­gen und Bebän­de­run­gen an den Uni­for­men des 19.Jahrhunderts (Ver­schnü­run­gen der Husa­ren­uni­form, Fang­schnur der Adju­tan­ten, Stabs­of­fi­zie­re) ein Relikt der Fou­ra­gelei­nen der leich­ten berit­te­nen Trup­pen. Mit die­sen zunächst an der Schul­ter getra­ge­nen Lei­nen wur­den bei den Streif­zü­gen der leich­ten Kaval­le­rie die Heu- und Stroh­bün­del zusam­men­ge­bun­den und auf ledi­gen Pack­pfer­den ins Lager trans­por­tiert. Die­se deko­ra­tiv auf­ge­schos­se­nen und kunst­voll ver­floch­te­nen Lei­nen wur­den im 19.Jahrhundert ein wich­ti­ges Ele­ment an den Uni­for­men.

Der sil­ber­ne Ring­kra­gen – Relikt des Kürass/Brustpanzers — als Zei­chen des Fah­nen­trä­gers ist bei den Trach­ten­ver­ei­nen nicht beleg­bar, er kann nur bei alten Vete­ra­nen­ver­ei­nen (Grün­dung vor 1870) belegt wer­den. 

Der (schwar­ze oder brau­ne leder­ne) Tra­ge­rie­men für die Fah­ne, das Ban­de­lier, auch Stie­fel oder Fah­nen­schuh genannt, wird als Tra­ge­hil­fe gebraucht. 

Frü­her gehör­ten noch wei­ße Hand­schu­he zur Aus­stat­tung, bei fast allen Ver­ei­nen tau­chen sie in der Rech­nung der Fah­nen­sti­cke­rei­en für die Erst­aus­stat­tung auf. Dabei sind für den Fähn­rich schwe­re wei­ße Stul­pen­le­der­hand­schu­he vor­ge­se­hen, die Beglei­ter tra­gen wei­ße Stoff­hand­schu­he. 

Der Fähn­rich trägt stets Voll­tracht, das Able­gen der Trach­ten­jop­pe ist für ihn und sei­ne Beglei­ter auch bei hei­ßer Wit­te­rung nur in Aus­nah­me­fäl­len mög­lich. 

Fah­nen­ze­re­mo­ni­ell

Das Fah­nen­ze­re­mo­ni­ell schau­ten sich die Trach­ten­ver­ei­ne bei den ande­ren Orts­ver­ei­nen ab, von Dorf zu Dorf gab und gibt es leich­te Vari­an­ten; in der Grund­ord­nung geht aber alles auf die Behand­lung der Fah­nen bei der könig­lich baye­ri­schen Armee – vor allem der Infan­te­rie — zurück, die jeder Bursch durch sei­ne Wehr­dienst­zeit übli­cher­wei­se kann­te. 

Die weni­gen Regeln waren schnell zu erler­nen und wur­den von Fähn­rich zu Fähn­rich wei­ter­ge­ge­ben. 

• Die Fah­ne wird grund­sätz­lich von zwei Bur­schen beglei­tet. (Mili­tä­ri­sche Fah­nen wer­den in aller Welt von zwei jun­gen, bewaff­ne­ten Offi­zie­ren in Para­de­uni­form beglei­tet) Für sie gel­ten die glei­chen Regeln, wie für den Fähn­rich selbst, auch sie tra­gen die Schär­pe und die Hut­schnur. Wenn sie die Fah­ne tra­gen und beglei­ten, sind sie als Fah­nen­ab­ord­nung aus der Gesamt­heit des Ver­eins her­aus­ge­löst; sie haben nur eine Auf­ga­be, ihre Fah­ne zu schüt­zen und auf sie acht zu geben. Es ist ihnen wäh­rend ihres Diens­tes ver­bo­ten, zu essen oder zu trin­ken, zu rau­chen, sich zu set­zen oder zu legen oder sonst etwas zu tun, wodurch ihre Auf­merk­sam­keit von der Fah­ne abge­lenkt wer­den könn­te. (Eine Beglei­tung durch „Ehren­da­men“, wie in letz­ter Zeit mehr­fach zu sehen, ist nicht vor­zu­se­hen; die Fah­nen­be­glei­tung hat die über­kom­me­ne Haupt­auf­ga­be, ihre Fah­ne unter allen Umstän­den zu schüt­zen und zu ver­tei­di­gen, das ist mit Ehren­da­men nicht durch­führ­bar; auch der ganz prak­ti­sche Grund eines Trä­ger­wech­sels bei lan­gen Trach­ten­zü­gen wäre mit Damen­be­glei­tung nicht mach­bar.) 

• Die Fah­ne wird, (wie ihr Vor­bild, die Infan­te­rie­fah­nen der könig­lich baye­ri­schen Armee), auf­recht im Tra­ge­gurt getra­gen. Hat der Fähn­rich sein Ziel erreicht, so nimmt er die Fah­ne ab, stellt sie an der rech­ten Schuh­spit­ze ab und hält sie mit der rech­ten Hand fest. Ein Umklam­mern mit bei­den Hän­den, ein Abstüt­zen auf die Fah­ne oder der Wech­sel in die lin­ke Hand sind nicht zuläs­sig. Das Tra­gen der Fah­ne über der Schul­ter, wie bei den Fah­nen der Gebirgs­schüt­zen, ist nicht vor­ge­se­hen.

• In der Kir­che

Beim Betre­ten einer Kir­che senkt der Fähn­rich die Fah­ne vor dem Altar (ein­mal oder drei­mal) und grüßt damit das Aller­hei­ligs­te. Danach geht die gesam­te Fah­nen­ab­ord­nung zu ihrem vor­ge­se­he­nen Platz, die Fah­ne wird abge­nom­men und steht auf dem Boden auf. Der Fähn­rich nimmt die Fah­ne ab, stellt sie an der rech­ten Schuh­spit­ze ab und hält sie mit der rech­ten Hand fest.

Betritt der Pries­ter zum Beginn des Got­tes­diens­tes die Kir­che, wer­den die Fah­nen zum Gruß an den Ver­tre­ter des Aller­höchs­ten auf­ge­nom­men und solan­ge prä­sen­tiert bis der Pries­ter den Altar erreicht hat und die Mes­se beginnt. 

Wäh­rend der hei­li­gen Hand­lung steht die Fah­ne abge­nom­men.

Zum Evan­ge­li­um, bei der Ver­kün­dung des Wor­tes Got­tes an die Gemein­de, prä­sen­tiert der Fähn­rich die Fah­ne. 

Bei der Wand­lung wer­den die Fah­nen vom Beginn bis zum Ende ohne Unter­bre­chung vol­ler Ehr­er­bie­tung gesenkt.

Stim­men Orgel und Chor das Te deum an wer­den alle Fah­nen auf­ge­nom­men und prä­sen­tiert.

• Gilt es einen Toten zu ehren, wird die Fah­ne drei­mal über dem offe­nen Grab geschwenkt. Die Fah­nen-Reve­renz bei Begräb­nis­sen und Trau­er­fei­ern hat eine bis ins Mit­tel­al­ter zurück­rei­chen­de Tra­di­ti­on. 

Fah­nen wer­den aus­schließ­lich vor dem Herr­gott oder vor einem Toten gesenkt, sonst nicht. 

• Beim Spie­len einer Natio­nal­hym­ne wer­den alle Fah­nen prä­sen­tiert, die Fah­nen wer­den auf­ge­nom­men und in den Tra­ge­gurt gestellt, die gesam­te Fah­nen­ab­ord­nung bewegt sich nicht mehr bis zum Ende des Abspie­lens der Hym­ne. Das Ver­hal­ten aller Fah­nen­ab­ord­nun­gen, gleich wel­cher Ver­ei­ne, Ver­bän­de oder Orga­ni­sa­tio­nen (in allen Staa­ten) ist dabei immer das Glei­che. Die Bay­ern­hym­ne ist die Hym­ne unse­res Frei­staa­tes Bay­ern, nicht ein belie­bi­ges geist­li­ches Lied; sie steht damit in einer Linie mit der fran­zö­si­schen „Mar­seil­lai­se“, mit der bri­ti­schen „God save the queen“ oder der deut­schen „Einig­keit und Recht und Frei­heit“ und allen ande­ren Natio­nal­hym­nen die­ser Welt. Der Text spielt bei einer Hym­ne kei­ne Rol­le, wer könn­te schon beim Abspie­len einer frem­den Natio­nal­hym­ne erken­nen, ob das nun ein Revo­lu­ti­ons­lied (Frank­reich), ein Hym­nus an die Schön­heit des Lan­des (Finn­land) oder eine Anru­fung Got­tes (Bay­ern) ist. Die Ehr­er­bie­tung der Fah­nen und ihrer Trä­ger gegen­über den Hym­nen aller Staa­ten ist immer die glei­che: die Fah­ne wird prä­sen­tiert. Eben­so ist auch das Ver­hal­ten aller anwe­sen­den Per­so­nen bei allen Hym­nen die­ser Welt immer gleich: Män­ner und Frau­en erhe­ben sich vor dem Beginn des Musik­stü­ckes von den Sit­zen, die Män­ner neh­men den Hut ab, die Tex­te der Bay­ern­hym­ne und Deutsch­land­lied wer­den seit eini­gen Jah­ren mit­ge­sun­gen. Nach dem Ende der Hym­ne wird der Hut wie­der auf­ge­setzt, die Anwe­sen­den set­zen sich wie­der, die Fah­nen wer­den abge­nom­men und vom Fähn­rich am rech­ten Fuß abge­stellt.

• Beim Auf­ein­an­der­tref­fen zwei­er Fah­nen, so beim mor­gend­li­chen Ein­tref­fen zum Beginn eines Trach­ten­fes­tes oder bei einer Ver­an­stal­tung von meh­re­ren Ver­ei­nen, bei denen Fah­nen mit­ge­führt wer­den, wer­den die Fah­nen von bei­den Fähn­ri­chen zum Fah­nen­gruß, manch­mal auch Fah­nen­kuß genannt, mit­ein­an­der gekreuzt, so dass sich die Fah­nen­tü­cher gegen­sei­tig berüh­ren.

Fast ver­ges­sen ist die Kunst des Fah­nen­schwin­gens. Die heu­ti­gen schwe­ren gestick­ten Fah­nen und die zahl­rei­chen Bän­der, machen es dem Fähn­rich fast unmög­lich, die Fah­ne im Fah­nen­schuh zu dre­hen und damit den Ver­eins­mit­glie­dern und den Zuschau­ern bei den Trach­ten­fes­ten die Fah­ne in ihrer vol­len Schön­heit zu zei­gen. 

Auch im Chiem­gau war das Fah­nen­schwin­gen immer ein gern geüb­ter Brauch. In der Sach­ran­ger Chro­nik zur Fah­nen­wei­he 1950 heißt es: „Beim hef­ti­gen Schwen­ken der Fah­ne brach dem Fähn­rich wäh­rend des Fest­zu­ges die Fah­nen­stan­ge ab“. Das Fah­nen­schwin­gen wur­de als Kunst und Ehrer­wei­sung bei allen Fah­nen besit­zen­den Kor­po­ra­tio­nen, gepflegt und im Wett­be­werb geübt und wird auch heu­te noch in vie­len Tra­di­ti­ons­ver­ei­nen (Schweiz, Ober­ita­li­en) wei­ter gepflegt.

• Schließ­lich noch das Ver­hal­ten beim Pas­sie­ren der Ehren­tri­bü­ne bei den gro­ßen Trach­ten­fes­ten: Die Fah­ne wird auf kei­nen Fall gesenkt, sie wird auf­recht im Tra­ge­gurt gehal­ten, dazu kommt dann ein (erkenn­ba­rer) Blick­wech­sel der gesam­ten Fah­nen­ab­ord­nung zur Ehren­tri­bü­ne hin, die Fah­nen­ab­ord­nung schaut wäh­rend des Vor­bei­zie­hens zur Tri­bü­ne hin. Die Tri­bü­ne hat dar­auf­hin die Fah­nen zu grü­ßen, nicht umge­kehrt, die defi­lie­ren­den Fah­nen sind das Sym­bol für die Gemein­schaft, für die Ver­ei­ne und mit die­sem Gruß der auf der Tri­bü­ne Ver­sam­mel­ten an die Fah­ne wird der vor­bei­zie­hen­de Ver­ein geehrt.

Fah­nen­wei­he

Seit dem 10. Jahr­hun­dert ist die Fah­nen­wei­he durch Text­for­mu­la­re bezeugt, die in Anleh­nung an Kriegs­seg­nungs-Ordi­nes, an Rit­ter- und Schwert­sa­gen ver­fasst wor­den waren. Die Grund­la­ge für die Ehr­er­bie­tung vor der Fah­ne ist die Fah­nen­wei­he. Erst die Wei­he durch die Hand des Pries­ters ver­leiht der Fah­ne ihre Kraft und ihre Sym­bol­wir­kung, eine unge­weih­te Fah­ne ist nur ein Stück bun­tes Tuch, ohne Kraft und Nim­bus. (sie­he auch die ande­ren Arten der „Fah­nen­wei­hen“ Berüh­rung mit „geweih­ten Fah­nen“, „Blut­fah­ne“ etc.) Der Segen und der Nim­bus der Fah­ne ist dabei so stark, dass er sich auch auf alle die aus­wirkt, „die die­sem Zei­chen fol­gen“.

Heu­te hat sich, beson­ders in Bay­ern und dem west­li­chen Öster­reich, ein spe­zi­el­les Zere­mo­ni­ell für die Fah­nen­wei­he mit fest­ge­leg­ten Tex­ten, Gebe­ten und Gesän­gen ent­wi­ckelt.

Bild­haft wird das unge­weih­te Tuch von den Fest­jung­frau­en als Täuf­ling zum Altar getra­gen, das Bespren­gen mit Weih­was­ser durch den Pries­ter stellt gleich­sam die Tau­fe dar. Die Fah­nen­mut­ter spricht ihren Pro­log und hef­tet ihr Fah­nen­band als ers­tes an die Fah­ne. Die getauf­te Fah­ne wird von der Fah­nen­mut­ter – der ers­ten Per­son im Leben der Fah­ne — an die Fah­nen­braut wei­ter­ge­ge­ben. Nun spricht die Fah­nen­braut, ver­spricht der Fah­ne die Treue zu hal­ten und baut das enge Ver­hält­nis zwi­schen Fah­ne und Fah­nen­braut auf. Ihr Fah­nen­band ist das äuße­re Sym­bol des Ver­hält­nis­ses der Braut zu Bräutigam/Fahne. Fah­nen­mut­ter und Fah­nen­braut zu sein ist ein Ehren­amt im Ver­ein, das nur ein­mal ver­ge­ben wer­den kann. Zeit­le­bens blei­ben bei­de beson­ders eng mit ihrer Fah­ne (und eben­so mit ihrem Ver­ein) ver­bun­den, stellt die­se doch für die bei­den gleich­sam Kind und Bräu­ti­gam dar. 

„Der Fahn“, wie er im alt­baieri­schen bild­haft genannt, wird mit beglei­ten­den, sor­gen­den Wor­ten für das Wohl­erge­hen schließ­lich von der Fah­nen­mut­ter und der Fah­nen­braut gemein­sam dem Fähnrich/Fahnenjunker anver­traut und über­ge­ben. Zu sei­ner Fah­ne hat­te der Fähn­rich ein beson­ders enges Ver­hält­nis. In der Chro­nik des Nie­der­aschau­er Ver­eins heißt es: „Der Fah­nen­jun­ker muss­te zur dama­li­gen Zeit immer ein Jung­herr sein. Wenn er hei­ra­te­te, wur­de ein neu­er Fähn­rich gewählt“.

Doch nicht nur Mut­ter und Braut braucht der Fahn, auch einen guten Tauf­pa­ten, einen Göd mit einer geweih­ten Fah­ne, muss er haben. Aus den Grün­der­jah­ren der Trach­ten­ver­ei­ne ist bekannt, dass die Ver­eins­vor­stän­de gro­ße Anstren­gun­gen machen muss­ten, um einen Ver­ein mit geweih­ter Fah­ne zu fin­den, der den Göd machen konn­te. So waren eini­ge Stau­da­cher Tracht­ler 1897 meh­re­re Tage mit dem Radl unter­wegs, bis sie im Ober­land den Trach­ten­ver­ein Penz­berg-Stamm als Göd gewin­nen konn­ten. 

Der Paten­ver­ein über­nimmt mit der Paten­schaft alle Pflich­ten, die ein Tauf­pa­te gegen­über einem klei­nen Kin­de über­nimmt. Das Ver­hält­nis des klei­nen Göds soll­te umge­kehrt dem eines Kin­des zum Tauf­pa­ten ent­spre­chen. Für den Paten­ver­ein über­reicht das Paten­dirndl ein Paten­band an die neue Fah­ne, umge­kehrt erhält auch der gro­ße Göd ein Band zur Erin­ne­rung an den Fest­akt. 

Das letz­te Band, das bei der Fah­nen­wei­he ver­lie­hen und ange­bracht wird, ist das Trau­er­band zum Geden­ken an die ver­stor­be­nen, gefal­le­nen und ver­miss­ten Mit­glie­der der Ver­ei­ne. Es wird von der Trau­er­mut­ter über­ge­ben; die Kos­ten für das Trau­er­band über­neh­men – mit Aus­nah­me der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen — in Bay­ern die Gemein­den.

Gro­ße Ver­än­de­run­gen haben sich in der Ver­gan­gen­heit bei der Wei­he der Fah­nen erge­ben: in der Ver­eins­chro­nik des Trach­ten­ver­eins „Gria­bin­ga“ Hohen­aschau heißt es: Da in jener Zeit durch einen Erlass des Erz­bis­tums Mün­chen-Frei­sing kei­ne Trach­ten­fah­ne geweiht wer­den durf­te, muss­te unse­re Fah­ne im Dom von Salz­burg geweiht wer­den. Die­se Fah­ne beglei­te­te den Ver­ein 80 Jah­re lang, bis zum 100jährigen Grün­dungs­fest. 

Eine Anfra­ge an das Archiv des Erz­bis­tums Mün­chen und Frei­sing ergab jedoch kei­nen Hin­weis auf ein expli­zi­tes Ver­bot der Wei­he von Trach­ten­fah­nen zwi­schen 1878 und 1909; am 17. Mai1881 erging jedoch fol­gen­der Erlass des Ordi­na­ri­ats über die Got­tes­diens­te bei Gele­gen­heit von Fes­ten der Vete­ra­nen-Ver­ei­ne und ähn­li­cher Genos­sen­schaf­ten

Die von Vete­ra­nen- und Krie­ger­ver­ei­nen, von Feu­er­wehr- und Turn­ver­ei­nen, ver­an­stal­te­ten Fest­lich­kei­ten haben sich in den letz­ten Jah­ren in beach­tungs­wert­her Wei­se ver­mehrt. Es kann wohl nicht ver­kannt wer­den, dass die­se gehäuf­ten Fes­te zum guten Thei­le in der herr­schen­den Ver­gnü­gungs­sucht ihre Quel­le haben und den­sel­ben die will­kom­me­ne Nah­rung zufüh­ren. Ver­dient die­se Erschei­nung schon an und für sich die wach­sa­me Auf­merk­sam­keit der Seel­sor­ger, so wird deren Thä­tig­keit direct dadurch in Anspruch genom­men, dass häu­fig auch eine got­tes­dienst­li­che Fei­er bei Gele­gen­heit jener Fest­lich­kei­ten erbe­ten wird. Hier kann es nun leicht dahin kom­men, dass die am Vor­mit­tag statt­fin­den­de kirch­li­che Fei­er den Deck­man­tel bil­den muss für die am Nach­mit­tag und Abends gebo­te­ne Gele­gen­heit zu sitt­li­chen Aus­schwei­fun­gen jeg­li­cher Art. So wird ange­ord­net, dass die Fah­nen­wei­hen unmit­tel­bar nach dem Pfarr­got­tes­dienst statt­fin­den müs­sen und sich kei­ne Tanz­ver­an­stal­tun­gen anschlie­ßen dür­fen, eine Feld­mes­se ist auf kei­nen Fall zu gestat­ten.

Auch bei den ande­ren vor dem ers­ten Welt­krieg gegrün­de­ten Trach­ten­ver­ei­nen ist die Wei­he der ers­ten Fah­ne in der eige­nen Kir­chen­ge­mein­de die Aus­nah­me, denn die Geist­lich­keit hat­te damals für die­se neu­mo­di­schen Trach­ten­ver­ei­ne nicht all­zu­viel übrig. Fast allen wur­den bei Fei­ern im Dom von Salz­burg der kirch­li­che Segen zuteil. In den Jah­ren nach dem ers­ten Welt­krieg und erst recht seit dem Beginn der 50er Jah­re, als die meis­ten Ver­ei­ne ihre zwei­ten Fah­nen beschaff­ten und wei­hen lie­ßen, änder­te sich das Ver­hal­ten der Kir­che: die Trach­ten­be­we­gung ist als Trä­ger des christ­li­chen Gedan­ken­gu­tes und als treu­er Ver­fech­ter des Glau­bens aner­kannt. Die Kir­che weiht daher die Fah­nen als sicht­ba­re Ver­eins­zei­chen und gibt dar­über hin­aus ihren Segen allen, die die­sen Zei­chen fol­gen. Der Segen der Fah­ne reicht also wei­ter als nur für das bun­te Tuch, wenn der Pries­ter den kirch­li­chen Segen erteilt hat.

Heu­te sind Fah­nen­wei­hen sel­ten gewor­den, alle 23 Ver­ei­ne des Chiem­gau-Alpen­ver­ban­des haben ihre Fah­nen, der Gau­ver­band die Gau­stan­dar­te. Die letz­ten gro­ßen Fah­nen­wei­hen mit Betei­li­gung des Chiem­gau-Alpen­ver­ban­des waren die Wei­he der bei­den Gau­stan­dar­ten des Alt­baye­risch Schwä­bi­schen Gau­ver­ban­des und des Inn­gau­es, bei denen der Chiem­gau-Alpen­ver­band den Paten mach­te und die Wei­he der neu­en Fah­ne der „Koasa­wink­la“ Reit im Winkl im Som­mer 2001.