Sons­ti­ge Bräuche

Mar­terl

Wer durch das Vor­al­pen­land wan­dert und weni­ger vom Ver­kehr erschlos­se­ne Win­kel auf­sucht, oder wer unweg­sa­me­re Pfa­de in den Ber­gen bevor­zugt, wird auch heu­te noch da und dort, am Weg­rand, in der Schlucht eines Wild­ba­ches oder unter­halb einer stei­len Fels­wand zunächst unschein­ba­re bemal­te und oft halb­ver­wit­ter­te Brett­chen vor­fin­den. Wer Sinn dafür hat, wird ger­ne sei­ne Wan­de­rung kurz unter­bre­chen, um eine der­ar­ti­ge Tafel näher zu betrach­ten. Mit ziem­lich unbe­hol­fe­ner Hand ist ein Unglücks­fall dar­ge­stellt, der sich hier oder in aller­nächs­ter Nähe schick­sal­haft zuge­tra­gen hat. Der oft holp­ri­ge Text dar­un­ter, häu­fig sogar in Vers­form, erläu­tert noch zusätz­lich das Dargestellte. 

Sol­che Zeug­nis­se der Volks­fröm­mig­keit, wie sie in die­ser Form vor allem im alpen­län­di­schen Raum anzu­tref­fen sind, nennt man hier schlicht­weg Mar­terl und ver­bin­det damit gleich­zei­tig die Vor­stel­lung an etwas Lie­bens­wer­tes, etwas ganz Persönliches. 

Mar­terl in Rottau

Ein Mar­terl ist ein Klein­denk­mal, zur Erin­ne­rung an einen Toten, der durch Unglück oder Gewalt sich sein Leben einst ein­büß­te. Es steht am Ort des Unglücks und will durch Wort und Bild die Erin­ne­rung wach hal­ten und zum Für­bit­ten­ge­bet für den Ver­stor­be­nen mah­nen. Der Ursprung des Namens „Mar­ter“ liegt wohl im grie­chi­schen „mar­ty­ri­on“ , was soviel wie Bekennt­nis und Bezeu­gung heißt, wes­halb in der christ­li­chen Früh­zeit die­se Bezeich­nung auch auf jenen Chris­ten über­tra­gen wur­de, die für ihren Glau­ben Blut­zeug­nis abge­legt, also ein „Mar­ty­ri­um“ erlit­ten hat­ten. Spä­ter im aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ter, wur­de das Lei­den Chris­ti auch als „Mar­ter Chris­ti“ oder als „Got­tes Mar­ter“ bezeich­net, wobei die Bedeu­tung Mar­ter = Pein im Vor­der­grund steht.

Durch die bild­li­che Ver­an­schau­ung des Lei­dens Chris­ti, der Kreuz­tra­gung und der Kreu­zi­gung, soll­te der Vor­über­ge­hen­de dazu auf­ge­ru­fen sein, nicht nur des Todes Chris­ti, son­dern selbst zu geden­ken. Wenn­gleich die Bezeich­nung Mar­terl selbst in ein­schlä­gi­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen für Gedäch­nis­ta­feln ver­schie­dens­ter Art ver­wen­det wird , so gel­ten als Mar­terl im schar­fen Sinn nur jenen, die für einen töd­lich Ver­un­glück­ten zur Erin­ne­rung und zwar am Ort des Gesche­hens, errich­tet oder ange­bracht wur­de. Die Ver­brei­tung beschränkt sich haupt­säch­lich auf den Alpen­raum, aber auch auf ita­lie­ni­schem und slo­we­ni­schem Boden sind sol­che anzutreffen. 

Denkt‘s no dro
An den Jüng­ling Sepp Wei­ßen­ba­cher Erschl­bau­er­sohn von da 
Ver­un­glück­te am Kirch­weihsunn­da schon mit 18 Jahr, 
drum richts eng fürs jen­seits, des is nia z‘fruha ! 
Er fiel durch das Heu­loch und starb bei de Küha, 
bet‘s eam an Vater unser, er kann nigs mehr dafür, 
des is eam jetzt lia­ba als wia a Maß Bier.

Pas­siert am 22. Sept. 1866

Eine ande­re Über­set­zung für „Mar­terl“ bezieht sich auf die Hl. Mar­tha. (29. Juli), die Schwes­ter des Laza­rus ist auch Ster­be­pa­tro­nin, sie wird oft auf Mar­terl dar­ge­stellt, daher die ande­re Ablei­tung von Marterl . 

Mar­terl bil­den einen nicht mehr weg­zu­den­ken­den sicht­ba­ren Bestand­teil bäu­er­li­chen Volks­fröm­mig­keit im Alpen­raum und sind wich­ti­ge Kul­tur­schät­ze. Für die Volks­kun­de sind die­se Mar­terl, wie auch die Votiv­ta­feln, eine nicht zu unter­schät­zen­de Bildquelle. 

Die im Detail oft äußer­lich exakt gezeich­ne­ten Bege­ben­hei­ten stel­len uns Bau­ern­for­men, Trach­ten und Gerät­schaf­ten aller Art vor und ver­mit­teln somit ein Bild der bäu­er­li­chen Kul­tur­land­schaft. Zu spät wur­de lei­der der Aus­sa­ge­wert der bild­li­chen Dar­stel­lun­gen erkannt und selbst unse­re volks­kund­li­chen Muse­en besit­zen nur weni­ge Bei­spie­le die­ser ehe­mals zahl­lo­sen Gedenktafeln. 

’s Mar­terl
Ned weit vo meim Häusl
a stückl berg­auf,
da steht an oids Mar­terl.
A Inschrift is drauf.
Mo konns nim­mer lesn,
de Schrift ist ver­wit­tert.
Ver­lo­ren, ver­ges­sen,
denkt man­cher ver­bit­tert.
Und doch konn i rich­tig
was able­sen draus:
Da Mensch nimmt se wich­tig,
doch d’Zeit löscht oiß aus.

Ver­fas­ser: unbekannt 

Nicht zuletzt sind die­se Tex­te auch mit­un­ter wert­vol­le sprach­li­che Zeug­nis­se, sie ver­mit­teln mund­art­li­che Fär­bun­gen von Ort – und Eigen­na­men, von Berufs­be­zeich­nun­gen und Gegen­stän­den. Aber nicht nur das per­sön­li­chen Schick­sal spricht häu­fig aus die­sen Inschrif­ten, son­dern geschicht­li­che Bege­ben­hei­ten, wie krie­ge­ri­sche Ereig­nis­se und Natur­ka­ta­stro­phen spie­geln sich dar­in, ver­mit­teln oft­mals den ein­zi­gen Beleg dafür. 
Christ­li­ches Andenken an den Ehr­sa­men Bartl­me Ange­rer, Bau­ers­mann von hier und der Marie Pfund von Vol­ders, wel­che bei­de am 5. Novem­ber 1809 durch die damah­li­ge Rache der könig­li­che Baie­r­i­schen Sol­da­ten ihr Leben auf vor­ge­stell­te Art ein­büß­ten. Von nach­fol­gen­den Ankel Josef Angerer. 

Mar­terl in Winklmoos

In ewi­gen Geden­ken an den ehreng. Fritz Kal­ser
Holz­vor­ar­bei­ter von Ent­fel­den wel­cher am 3. Juni 1914 in der
Nähe v. hier in fol­ge einer Baum­wur­zel töd­lich ver­un­glück­te. R.T.P. 
Denk an dein End, ob jung ob alt dein letz­ter Gang er kommt so bald 
Er kommt dann wenn’s nie­mand denkt ! Drum leb stets mit Gott ver­eint 
u. bet für dich und bet für mich dann sehn wir uns einst ewiglich. 

Erin­nerts enk no 
An Wastl Donau­er Lip­pen­so­hn von hia 
brach sich mit 37 Jahr, Gnack, Rip­pen und Knia, 
zum Brem­sen keant de Tat­zen, 
in der Hüt­ten waren‘s ver­ges­sen, 
sonst hätt‘s net das­te­ßen. 
Am Bam dro lag die Prü­gel­fu­ha, 
bet‘s eam ein Ave Maria dazua !Paßiert am 22.2.1864

 

Wei­te­re Marterlsprüche 

 Hier starb ein jun­ger Mann,
mit Namen Johann,
er trug die kur­ze Hose gern,
blieb auch von kei­nem Fes­te fern;
Und war wo eine Fah­nen­weih ‘,
da kam er mit sein ‘Dirndl glei‘.
Nun ist er beim hl. Petrus drobn,
hof­fent­lich gut aufgehob‘n.
Schad‘is‘s um Di , mei Bua,
Gott gib Dir die ewi­ge Ruah‘!
(Waa­kir­chen, von Franz Gschwandt­ner für einen Trachtenkameraden)
 Unter die­ser Eiche lag
efrorn durch Kält und Wind,
Vor Jah­ren um die Weih­nachts­zeit
Ein armes Wai­sen­kind.
Der du im war­men Kit­tel gehst,
Hilf ande­ren in der Not,
Dann frie­ret sich kein Wai­sen­kind
Im dün­nen Röck­lein tot.
(Bay­er. Wald, bei Spiegelau)
  Der Schus­tersepp von Lau­ter­bach
Ist hier ersof­fen in der Ach.
Er trank zu viel vom Brannt­wein.
Drum fiel er in die Ach hin­ein,
Gott schen­ke ihm die ew‘ge Ruh
Und noch ein Vier­tel Schnaps dazu.
(In der Lau­ter­bach an der Ach)
 Ver­un­glückt ist auf sol­che Art,
Der Hol­zer Sepp hier ohne Bart,
A Sto­aschlag bracht ihn um sein Leben,
Jetzt tuts koan Hol­zer Sepp mehr geben. 
(Bad Tölz)
  Tobi­as Bogner, Goas­ser,
Abg‘stürzt am Wil­den Koa­ser.
Him­mel , Herr­gott, Sakra­ment,
War dös a graus­lichs End ! 
(Am Wil­den Kaiser)
 Hier lie­gen begra­ben
Vom Don­ner erschla­gen
Drei Schaf, a Kalb und a Bua,
Herr ! gib ihnen die ewi­ge Ruah.
(Pitz­tal)

Wet­ter­re­geln im August : 

Wenn‘s im August ohne Regen abgeht,
das Pferd mager vor der Krip­pe steht.

Wer schläft im August,
der schläft zu sei­nem eige­nen Verlust.

Im August viel Regen­schau­er
Ist Ver­druß für jeden Bauer.

Je dich­ter der Regen im August,
je dün­ner wird der Most.

Nas­ser August macht teu­re Kost.

Wenn‘s im August nicht reg­net,
ist der Win­ter mit Schnee gesegnet.

August freund­lich und heiß,
so bleibt der Win­ter weiß.

August soll sein ein Augen­trost,
macht zei­tig Korn und Most.

Wie das Wet­ter am Him­mel­fahrts­tag,
so der gan­ze Herbst sein mag.

Text : Miche Huber

Quel­le : „Mar­terl­sprü­che“ / Hans Roth – Süd­deut­scher Verlag

Auf der Alm

Den Süden des Chiem­gaus prä­gen die Ber­ge der Alpen­ket­te. Die Schön­heit unse­rer Land­schaft wird aber nicht durch ein Einer­lei aus nack­ten Fel­sen bestimmt , son­dern sie erhält ihren Reiz gera­de aus der Abwechs­lung, die sich aus dem Neben­ein­an­der von ragen­den Berg­gip­feln, schat­ti­gen Wäl­dern und grü­nen Alm­flä­chen ergibt. 

Über­all im Alm­ge­biet begeg­net uns das wich­tigs­te Haus­tier des Men­schen, das Rind. Seit der Besied­lung des Berg­lan­des gehört das Rind zu der Land­schaft, ja es half von Anfang an wohl mit, dass der Mensch über­haupt in die­ser Land­schaft sich ansie­deln und sess­haft machen konn­te. So ist es selbst­ver­ständ­lich, dass nicht erst die ein­wan­dern­den Baju­wa­ren das Rind mit­brach­ten, son­dern dass schon die Römer und vor ihnen die Kel­ten das auf den Ber­gen wach­sen­de Wei­de­fut­ter für ihre Tie­re nutz­bar machten. 

Flur­be­zeich­nun­gen wie Tau­ron (kel­to­ro­ma­ni­sches Wort für Rin­der­wei­de) wei­sen dar­auf hin, dass Alm­flä­chen der Ross­alm seit ca. 2000 Jah­ren Rin­der­wei­de sind. Mit 1731m ist die Ross­alm im Gei­gel­stein­ge­biet die höchst­ge­le­ge­ne bewirt­schaf­te­te baye­ri­sche Alm.

Seit wann unse­re Vor­fah­ren unse­re Almen bewirt­schaf­te­ten lässt sich nicht genau bele­gen. Es gilt aber als sicher, dass nicht nur der Bau­er in den Tal­nie­de­run­gen sich die Som­mer­wei­den nutz­bar mach­te, son­dern dass vie­ler­orts die Dau­er­sied­lun­gen sich höher hin­auf als heu­te scho­ben, wenn sie nicht gar zuerst oben ange­legt wur­den und erst spä­ter in die ursprüng­li­che oft ver­sumpf­ten Täler her­un­ter­wan­der­ten. Er war daher froh, wenn er auf sei­nen Fel­dern nur das Win­ter­fut­ter für sei­ne Tie­re gewin­nen muss­te und wenn die Kühe und Jung­tie­re sich das Som­mer­fut­ter sel­ber in den Wäl­dern und auf den Ber­gen holte. 

Das Alm­le­ben, das im Früh­som­mer (Mai oder Juni) jedes Jahr beginnt, war zu kei­ner Zeit so roman­tisch und ver­lo­ckend, wie es in Lie­der besun­gen wur­de. Es ist eine har­te Arbeit, die die Sen­ne­rin ganz allei­ne auf der Alm zu leis­ten hat. Hin­zu kommt die gro­ße Ver­ant­wor­tung, die sie für das Vieh wäh­rend der Som­mer­mo­na­te zu tra­gen hat. Die­sen Alm­be­trieb, zu dem ja zum Beauf­sich­ti­gen des Vie­hes, zum Mel­ken der Kühe und zur Auf­zucht der klei­nen Käl­ber eine Arbeits­kraft erfor­der­lich war, konn­te sich nicht jeder Bau­er leis­ten. Die klei­ne­ren Bau­ern übten dage­gen die Berg­wei­de nach wie vor vom eige­nen Hof aus, also ohne Aufsichtspersonal. 

In Bezug auf ihre Lage tei­len sich die Almen in Hoch – und Nie­der­al­men, oder wie sie im Volks­mund hei­ßen, „Hoch — o. Nie­der­lä­ger, Vor- und Nachal­men“. Die Nachal­men oder Hoch­lä­ger sind die wert­vol­le­ren. „Schnee­fluch­ten“ d.h. tie­fer gele­ge­ne, meist durch einen Wald geschütz­te Wei­de­plät­ze, wohin das Vieh getrie­ben wird, wenn auf den Hoch­al­men plötz­lich Schnee fällt, sind seltener. 

Alm­bräu­che

Im Chiem­gau und im Berch­tes­ga­de­ner Land bleibt der Auf­trieb auf die Alm, in Ober­bay­ern auch „Kaser“ genannt, ohne Fest und ist von der Außen­welt meist unbe­merkt. Die dabei gewahr­te Ruhe Erklärt sich gro­ßen­teils aus der nicht immer von Ban­gen frei­er Erwar­tun­gen, was der Alm­som­mer alles brin­gen wird. Vor allem wird dar­um gebe­tet, dass kei­ne Krank­hei­ten, Unfäl­le oder gro­ße Wet­ter­schwie­rig­kei­ten dem Vieh Scha­den antun möchten.

Die Nacht, wel­che dem Befah­ren der Alm vor­geht, heißt die „Grain­nacht“ (vom Grai­nen) und die am vor­her­ge­hen­den Tage gewon­ne­ne Milch die „Grain­milch“ wird an die Armen ver­schenkt. Die Benen­nung die­ser Nacht mag wohl daher kom­men, weil am Abend vor Auf­fahrt Sen­ne­rin und Hirt von ihren Bau­ern beson­ders streng auf ihre Oblie­gen­hei­ten ver­wie­sen wer­den, weil der Bau­er mit ihnen „graint“. 

Am St. Jakobs­tag ist der soge­nann­te „Alm Kirsch­ta“ (Alm­kirch­weih) Mit­te des Almsommers. 

Über­lie­fert ist auch dass dem­je­ni­gen Hir­ten der am Bar­tho­lo­mäus­tag (24. August) das Vieh am spä­tes­ten auf die Wei­de treibt, am Abend die­ses Tages ein Schweins­zagl (Schweif) auf den Kaser gesteckt. Es ver­sam­melt sich zu die­sen Zweck Abends die Hüter und zie­hen mit Kuh­schel­len, Peit­schen­knal­len, Horn­bla­sen und wun­der­lich bekränzt, ein­mal um jeden Kaser, drei­mal um den des Alpherrn , und ste­cken dann unter dem Geschrei :“das ist der Schweins­z­angl“ den­sel­ben auf den Kaser des fäl­li­gen Hir­ten auf. 

Nicht sel­ten fin­det man auf weit­sicht­ba­ren Punk­ten in der Nähe von Almen, hohe Wet­ter­kreu­ze, doch gewöhn­lich tie­fer als die Hüt­ten ste­hend ; daher der hei­te­re Glau­be : „Über‘m Wet­ter­kreuz gibt‘s koa Sünd“. 

Wenn die Tage kür­zer und die Näch­te län­ger wer­den, heißt es für die Alm­leu­te, die Sen­ne­rin und den Senn, Abschied zu neh­men von der Alm. Der Ter­min, wann das Vieh ins Tal getrie­ben wird, ist regio­nal unter­schied­lich. Gewöhn­lich fällt der Auf­bruch von den Alm­wei­den in den Sep­tem­ber, vor­aus­ge­setzt, das Wet­ter macht nicht einen frü­he­ren Abtrieb erfor­der­lich. Um Michae­li (29. Sep­tem­ber) ist die Alm­zeit zu Ende. 

Wenn der Alm­som­mer glück­lich ver­lau­fen ist, wenn kei­nem Tier etwas zuge­sto­ßen ist und in der Fami­lie des Bau­ern kein Unglück war, so ist der Alm­ab­trieb ein Tag der Freu­de und des Dan­kes. Nach alten Brauch wird das Vieh „auf­ge­kranzt“, das heißt die Köp­fe der Tie­re wer­den geschmückt. Die Sen­ne­rin ist schon lan­ge vor­her mit dem Her­stel­len von Schmuck für ihre Tie­re beschäf­tigt .Beson­ders für die Leit­kuh wird ein ganz beson­ders schö­ner „Alm­bu­schen“ zusam­men­ge­rich­tet. Kro­nen, Krän­ze, Kreu­ze und alle mög­li­chen For­men von Zie­rat, behan­gen mit bun­ten Bän­dern, sind dann als Kopf­putz der Leit­tie­re zu sehen.

Zum Schmuck der Tie­re gehö­ren auch die Glo­cken, die an einem brei­ten Leder­rie­men am Hal­se hängen. 

Gewöhn­lich tra­gen nur die schöns­ten und größ­ten Kühe Glo­cken. Mit dem Geläut der Glo­cken soll­te nach altem Volks­glau­ben feind­li­che Dämo­nen abge­wehrt wer­den, die die Tie­re auf ihrem Weg ins Tal bedrohen. 

Am Tag des Alm­ab­triebs begibt sich die Fami­lie des Bau­ern auf die Alm und hilft der Sen­ne­rin, das Vieh mit dem vor­be­rei­tem Kranz­zeug zu schmü­cken, ein Vor­gang, den die Tie­re nur recht ungern über sich erge­hen las­sen. Ist alles für den Abtrieb vor­be­rei­tet und die Alm­hüt­te win­ter­fest gemacht, wird mit einem Gebet gedankt und anschlie­ßend bricht die Sen­ne­rin ins Tal. Vor­ne geht die Leit­kuh mit einem beson­ders schö­nen Kopf­putz ‚gefolgt von den übri­gen Tie­ren. Ganz am Schluss kommt die Alme­rin, die aus Anlass des Fest­ta­ges sich „fesch“ klei­det. Im Dorf unten ange­kom­men, wird sie vom Bau­ern erwar­tet und führt das Vieh nicht ohne Stolz in den hei­mat­li­chen Stall. 

Die Alm­wirt­schaft ist und bleibt auch wie eh und je der Gesund­brun­nen der Viehzucht. 

In den letz­ten Jah­ren ist, ent­ge­gen dem all­ge­mei­nen Trend, ein über­ra­schen­des Inter­es­se fest­zu­stel­len, als Sen­ne­rin und Senn einen Som­mer auf einer Alm zu ver­brin­gen. Man­cher­orts gibt es schon „War­te­lis­ten“ von Almaspiranten. 

Gäbe es kei­ne Alm­wirt­schaft wür­de sich das Bild unse­rer Hei­mat beträcht­lich ver­än­dern. Alm­bau­ern sind wich­ti­ge Land­schafts­pfle­ger. Auch vie­le Berg­freun­de und Urlaubs­gäs­te wür­den es bedau­ern, wenn nach einer schö­nen Berg­wan­de­rung kei­ne Alm zur Ein­kehr ein­la­den würde. 

Wet­ter­re­geln


Ist der Sep­tem­ber warm und klar,
so hof­fen wir auf ein frucht­bar Jahr.

Sep­tem­ber­fleiß
zu ern­ten weiß.

Wenn im Sep­tem­ber viel Spin­nen krie­chen,
sie einen har­ten Win­ter riechen.

Sep­tem­ber­don­ner pro­phe­zeit
vie­len Schnee zur Weihnachtszeit.

Vor Micha­el sä mit hal­ber Hand
dann aber streu mit gan­zer Hand.

Fal­len die Eicheln vor Michae­li ab,
so steigt der Som­mer früh ins Grab.

Regen am Micha­els­tag
einen mil­den Win­ter brin­gen mag.

Text :      Miche Huber
Quel­len : Hei­mat­buch des Land­krei­ses Traun­stein
              Joseph Fried­rich Lent­ner / Bava­ria – Süd­deut­scher Ver­lag
              Albert Bich­ler / Wie‘s in Bay­ern ist    LUDWIG — Verlag

Haus­na­men

Haus­na­men gibt es in vie­len Gegen­den Bay­erns. Wie­wohl sie über Jahr­hun­der­te Teil der Volks­kul­tur waren, kom­men sie seit ein paar Jahr­zehn­ten immer mehr außer Gebrauch. Sie gera­ten dadurch zuneh­mend in Ver­ges­sen­heit und ster­ben schließ­lich ganz aus. Die­ser Pro­zess ist schon weit fort­ge­schrit­ten und wird sich in den nächs­ten Jah­ren wohl noch beschleu­ni­gen, denn vie­le der Häu­ser mit Haus­na­men ver­fal­len oder wer­den abgerissen.

Haus­na­men sind ein Über­bleib­sel aus einer Zeit als der Bau­ern­hof, das Anwe­sen der Beruf wich­ti­ger waren als die Men­schen. Eben­so hat­ten Haus­na­men frü­her tat­säch­lich den Sinn in ers­ter Linie das Anwe­sen und erst dann den Besit­zer zu nen­nen. Der Besit­zer war nicht so wich­tig und leb­te auch meist nicht so lan­ge. Im Vor­der­grund steht immer der Hof oder der Besitz egal wie der Eigen­tü­mer heißt. Beim Haus­na­men wird der Vor­na­me übri­gens immer hin­ten angestellt. 

Heu­te kommt es noch in länd­li­chen Gegen­den vor, dass die Leu­te oft nicht ein­mal den Schreib­na­men des Nach­barn wissen. 

Leo­pold Kam­me­rer beschreibt in einem Gedicht über den Sinn von Hausnamen : 

Der Haus­na­me 

Bei uns in Bay­ern, auf‘n Land 
is des a oida Tat­be­stand 
dass, anders ois wia in da Stadt 
jed‘s Anwe­sen sein Haus­nam hot. 
A Nam für‘s Haus, des hot an Sinn 
do steckt a Men­ge G‘scheites drin ! 
A Haus mit fes­ter, dicker Mau­er 
werd älter meist, ois da Erbau­er 
und muaß sei‘Herr dann eins­tens ster­ben 
und stirbt a viel­leicht ohne Erben 
oder da Hof wird gar ver­kauft 
oder oam geb‘n, der anders ‘tauft 
oder wenn d‘Tochter hei­rat, woaßt 
dass de her­nach anders hoaßt 
dass völ­lig Wurscht, wia‘s jeweils kimmt 
und wia der hoaßt, der über­nimmt 
und mog a arm sei oder reich 
der Nam vom Haus, der bleibt se gleich. 
Egal wia se der Haus­herr schreibt 
und ob a weg­geht oder bleibt 
des macht mit­un­ter ned vui aus 
oans bleibt bestimmt – der Nam vom Haus. 
Es is a Nama von am Ort 
und der bleibt do, der laaft net fort. 
Drum is da Haus­nam – glaabt‘s ‚ma‘s Leit – 
A Zei­chen von Beständigkeit.

Vie­le Haus­na­men las­sen sich aus dem bäu­er­li­chen Bereich ablei­ten. Zum Bei­spiel der „Moar“ war frü­her meist der größ­te Bau­er. Eben­so ent­stan­den vie­le Haus­na­men aus dem Hand­werk , dem Gewer­be aber auch aus Flurnamen.

Der „Moar z‘Bruck“/ Prien

Haus­na­men sind wich­ti­ge gesell­schaft­li­che und sprach­li­che Zeug­nis­se. Zum einen kün­den sie meist von längst ver­gan­ge­nen Zei­ten und Ver­hält­nis­sen. Zum ande­ren füh­ren sie die Urwüch­sig­keit und die Gestal­tungs­viel­falt des jewei­li­gen regio­na­len Dia­lekts vor Augen. 

Wet­ter­re­gel: 

Fällt im Okto­ber das Laub sehr schnell, 
ist der Win­ter bald zur Stell.

Chiem­gau­er Kraftsprüche

Unser Dia­lekt lebt von der bild­haf­ten Spra­che, von lus­ti­gen Redens­ar­ten und es gibt nichts im mensch­li­chen Leben, was da nicht auf‘s Korn genom­men wird. 

Viel Spott und Sati­re könn­te man zusam­men­tra­gen über Man­ner- und Wei­ber­leit, über deren Kör­per­for­men, Cha­rak­ter und beson­de­re Eigen­schaf­ten. Aus die­sen Aus­drü­cken und Ver­glei­chen spricht die gan­ze Urwüch­sig­keit des gebo­re­nen Chiemgauers. 

Die Chiem­gaue­rin ist mit Recht bekannt als eine See­le von einer Frau. Sie hat ein wei­ches Gemüt, ist häus­lich, spar­sam, flei­ßig und treu, also eine gute Haus­frau und Mut­ter, die alles für ihre Fami­lie tut, was in ihren Kräf­ten steht und eben­so für die Ehe­hal­ten sorgt. Sie geht flei­ßig in die Kir­che, hält Mann und Kin­der dazu an, und, obwohl sie das Neue nicht ablehnt, hält sie fest an alten Sit­ten und Bräuchen. 

Doch es gibt natür­lich auch Aus­nah­men, und über die sind eine gan­ze Serie von „quer Redn“ im Gebrauch. Denn das muß man dem Chiem­gau las­sen, für Schwä­chen der „Wei­baleit“ hat er ein schar­fes Auge. 

Eine Gei­zi­ge ist „a rechts Gnack“. Bei einer Gefühl­s­ar­men „geht da Ofa aus, wenn dö in Stubn ein­egeht“, oder beim Hei­ra­ten „do wünsch i  ihr Glück zur Nord­pol­ro­as“. Eine, die recht viel redt, ist „a recht‘s Gschnap­perl“ und eine, die oben­drein die Leu­te aus­rich­tet, is „a Ratschn“, und wenn die­se Eigen­schaft in gestei­ger­ter Form vor­han­den ist „a Karfreitaratschn“. 

Die Bezeich­nung „Flitschn“ oder „Flitsch­ei“ kann im wohl­wol­len­den Sinn für ein jun­ges Mäd­chen oder im abträg­li­chen Sinn für eine unzüch­ti­ge Per­son gebraucht wer­den. „A so a Goaß (Zie­ge) „ sagt man für eine min­der­wer­ti­ge Per­son. „A so a Fetzn“ bezeich­net eine schlam­pi­ge Per­son, „a so a Schlin“ ein lie­der­li­ches Frau­en­zim­mer, „a so a Tram­pi“ eines, das unfein auf­tritt. „Schlampn“ heißt nach­läs­sig in der Klei­dung, eine „ganz a auf­da­kel­te“ ist das Gegen­teil. „A oide Rutsch“ sagt man von einer Frau, die auch im Alter noch gern wohin fährt. Frau­en , die läs­tig fal­len, hei­ßen „Neif­fat“, im Stei­ge­rungs­fall „a aufkniffane“.

„A bißl a Lua­derl“ ist noch nicht ganz schlecht und „a wep­si“ ist eine, die sich nichts gefal­len lasst. Die ist „wie de Katz im Wochen­bett“, die einen gleich anspringt.

Aber nicht weni­ger häu­fig, im Gegen­teil , sind die Redens­ar­ten über die „Manns­bui­da“. Die las­sen an Derb­heit, an Urwüch­sig­keit oft nichts zu wün­schen übrig.

Da gibt es de „Hans­dampf zwo­amoi“, den „ganz o’draahtn Bazi“; den „raf­fi­nier­ten Hundling“, den „dami­schen Rit­ta“, den „Schern­schleifa“, den „Hodalump“, den „Siaß­ling“, den „Kren­han­tign“, den „Gro­nigl“; eine Bezeich­nug, die von gro­nen = brum­men kommt. So sagt man z.B., dass die Sau gront. 

Da gibt es wel­che, die „hau’n so Nägl oba“, da sind die Spaß­ma­cher. Ein wei­cher und unbe­hol­fe­ner Mensch wird „Doagaff „ genannt. Da gibt es den „Fret­ta“, der sich nichts leis­ten kann, dann den „Stoffl“. Ist er beson­ders unge­schult, dann „is des a rech­ta Batzn­lip­pe oder Potzn­lip­pel“, ein Spott­na­me, der mit „batz­et“ zusam­men­hängt, das soviel heißt wie derb oder pat­zig. „A Lal­li“ ist ein hal­ber Depp, der mit schwe­rer Zun­ge redet, „a gua­ta Lapp“ einer, der nicht ganz zurech­nungs­fä­hig ist. „A Lakl“ ein gemei­ner Kerl, ein Aus­druck, der viel­leicht mit Melac, dem fran­zö­si­schen Gene­ral unter Lud­wig XIV., zu tun hat, der die bay­ri­sche Pfalz brand­schat­ze. Wenigs­tens ist dies die Schmel­le­ri­sche Erklärung. 

„A Gisch­pi“ oder „Gischpl“ ist ein unbe­dacht­sa­mer Mensch. Als „müa­da Bra­ach­ta“ bezeich­net man einen, der einen maus­tot redet, als „Scho­aß­brach­ta“, einen, der von lau­ter unnüt­zen Din­gen spricht. Der „Hoib­gachs­ta“ wie­der­um ist einer, der nur halb brauch­bar ist. Der Aus­druck kommt von halb­ge­achst, und so bezeich­net man Wagen, die sich beim Umkeh­ren nicht ganz durchreiben. 

Der „Gach­gift­ge“ ist ein Jäh­zor­ni­ger, „a Latsch“ ein unfes­ter Cha­rak­ter, er hebt beim Gehen die Bei­ne nicht an, „a Lotsch“ ist ein trä­ger, „a ganz a gfei­ta“ ein äußerst schlech­ter, raf­fi­nier­ter Mensch. „Bot­schi“ ist eine mehr lie­be­vol­le Bezeich­nung für einen mehr unbe­hol­fe­nen Men­schen, ein „Gschwoi­schedl“ dage­gen eine abfäl­li­ge für einen, des­sen Kopf von lau­ter Bra­ten­es­sen ange­schwol­len ist . 

Mit „a soich­anan Kundn“ möch­te man nicht ger­ne etwas zu tun haben, auch mit einem „Gloif­fe“, noch weni­ger mit einem „sau­bä­ri­schen“ Men­schen oder einem „Rüap­pi“, einem gro­ben und rohen Men­schen. Dage­gen kann man den „Hiasl“ um bes­ten hal­ten, eben­so den „Fret­ta“, der nur müh­se­lig fort­kommt. Der gestan­de­ne Mann aber ist Vor­bild. „Feisch­pin­na“ = Fein­spin­ner, also ganz schlaue, man­che sind „z schlecht auf’n Mist­hau­fa außi“, der ist zu faul „wia a lau­si­ge Sau, wenn ma’s kratzt : de bleibt a sten“, da ist einer „an Dei­fi z’schlecht, sinst hätt er’n scho lang ghoit“, den aber „mecht i net mit da Mist­go­bi oglanga“.

Wit­zi­ge und humor­vol­le Redesnar­ten fin­den sich auch sonst in gro­ßen Men­gen. Die Kör­per­for­men gaben es dem Chiem­gau­er dabei beson­ders ange­tan. Einen klei­nen Men­schen kannst „Im Schi­leta­schl hoamtrongn“ oder „do muaßt zwo­amoi hinschau’n, bis d’eahm siagst“ oder „wenn de neb’n sein Mo daher­geht, kunnst moa­na, ’s hängt eahm ’s Schneit­ztüachi außa“.

Ein lan­ger Mensch ist „wia a Boh­na­stang, wia a Hopf­astang“. „A paar Flockn wenn er sich net umhän­ga taat, gehat er für an Kira­turm“. „Wenn der so dumm waar wia lang, kunnt er den Herrn Mond a Bussl gem“. 

Für dick wird der Aus­druck stark ver­wen­det. Da heißt es vom auf­fal­lend dicken Mann, „der is so stark, dass d’ zwoa Stund im Galopp roa­sen derfst, bis d’ um eahm uma kimmst“, oder von einer dicken Frau „a soi­che­ne Wampn, wia a tro­ga­de Kuah“. 

Eben­falls wird die mage­re Frau hoch­ge­nom­men, von der der Volks­mund sagt, „vorn a Beicht­zettl, hint an Mil­li­brettl“. Und wenn einer fett ist, dann hat er „a Fettn, dass d’n ohne Kraut ned oaschaung konnst“. Ein über­aus mage­rer kann so mager sein, „dass er in an Feu­er­wehr­schlauch einigang, wo er über Nocht drin bleim kunnt“. Denn kannst auch „durch a Klar­ti­nettn durch­seng“ oder „gegen den is da Tod vo Öding no wia a Schbeck­sau“. Auch wird er bei der Auf­er­ste­hung des Flei­sches „ned mit­macha kin­na, weil er nia oans ghabt hot“. 

Am meis­ten aber wird der Kopf, wer­den Gesicht und Mund kom­men­tiert. Alle mensch­li­chen Lei­den­schaf­ten kom­men da auf ihre Rech­nung. Von „Pappn“, „Kopf wia Sau­torg“, „Gschwoi­kopf“, „Groß­kop­fe­da“, Treantschn“, „Rotz­pippn“, „Gwaaff“, „Brot­lodn“, „Schnauzn“, „Schn­o­be“, „Gschroamäu­pappn“ bis „Rühr­mil­li­pappn“ reicht die Ska­la. „De hat a Mäu wia Schtod­l­tor“, „de hot guad redn, de is fozng­recht“. Dabei wer­den gewis­se gesell­schaft­li­che Unter­schie­de gewahrt. Da sagt der Herr Ober­förs­ter bei der Treib­jagd „In die­sem Trieb kommt a Fuchs durch : die Schüt­zen soint ihra Mäu hoitn und die Trei­ber ihre Fotzna“, 

Der Rüassl ist noch weni­ger respekt­voll als Fotz. Da sagt der Bub um Vater :“Voda, du host an Drög hib­rocht an dein Rüassl“,worauf der Vater sagt, „wos, du Gschlif­fi „Wia kannst du zu deim Voda sein Fotz Rüassl song !“

Doch bei der Selbst­be­schul­di­gung darf man ruhig beken­nen, „do hon i mein Rüassl schö einib­rocht in dö Gschicht“, Bild­lich gese­hen ist da ja auch „Rüassl“ der ein­zig rich­ti­ge Aus­druck. Häu­fig ist auch „mach dein Brot­lodn zua, sist ziagt‘s und du dawischt an Frost !“

Auch Nase und Ohren kom­men nicht zu kurz, „der hot so lan­ge, dass d‘as mit‘n Ple­schl (Zun­ge) oschle­cka kunnst“. D‘ Leit hand übe­r­oi gleich, ham d‘Nosn mittn im Gsicht und d‘Ohrwaschl auf da Seit“. Vom Nasen­boh­rer sagt der Volks­mund „Kriagst morng (mor­gen) an Schnei­da auf d‘Stöhr, weilst heit scho d‘Flecki zamm­su­acha tuast?“ Ohr ist das Ohr­waschl, die Kose­form ist “a liabs Ohr­wasch­ei“. Als Schimpf­wort gebraucht, sagt man, „du Waschl ! Du Sauwaschl!“

Beson­ders die armen, der Man­nes­zier­de beraub­ten Män­ner sind häu­fig die Ziel­schei­be des Spot­tes . „Der Plat­ter­te muaß sich mit dem Hand­tuch kampn“ (käm­men). „Bei dem ist „da O.…. durch ‘s Hirn durch­ig­wachsn“ , „dem sei Weib kriagt‘s amoi schö, dö braucht koan Ofa kaf­fa, weil ‘s auf sei­na Plattn kocha ko“. Wennst an Schnack­la host, muaßt an drei Plat­ter­te den­ga, dann vogeht er.“

End­los sind auch die Sprü­che, die sich mit dem übri­gen Kör­per­tei­len beschäf­ti­gen. „An dera ihrm grobn Gsicht ham si schon 9 Hund z‘Toud bellt“, dem Dirndl schaud s‘Bravsei bei dö Aung außa“, „der macht a Gsicht ois wia a a Bitschn Essig­woos­sa gsuf­fa hät“. 

Die Haa­re beim Manns­bild sind „wia trum­be (krum­me) Huf­nägl“ oder „wie Schni­lern­stö­cki“ (Schnitt­lauch­stock), bei einem Wei­berts „fein wia a Spinn­webn“ „kräus­lert wia a Lam­pi­fell“, „glatt gschricha wia von da Käl­ber­kuah“. Vom Kropf heißt es, „a biss­ei a Kröp­ferl“, wenn er klein ist, wenn er aber groß ist, hat er einen Kropf, „dass a‘s Kra­wattl bes­ser uma­bin­den ko“.

Das Genick ist eben­falls der Kri­tik unter­wor­fen, „aa a recht a gna­cker­tes“ ist ein star­kes Manns­bild, eine gei­zi­ge Frau ist „a rechts Gnack“. Der Hals ist „da Krong“. Der Bauch „a Wampn“, wenn er fett ist , ist er mag, ist er „hunds­bäu­chert“. Die Füße sind wia dra­ach­selt“, „wia a Hir­cherl“, wenn sie zier­lich sind. Sie kön­nen aber groß „wia a Rühr­k­ü­bi“, „wia an Ele­fant sei Groß­mua­da“ sei.

Vie­le köst­li­che Redens­ar­ten lie­ßen sich auch dem täg­li­chen Leben berich­ten. Wenn einer schuf­tet, dann arbei­tet er“auf Dei­fi kimm außa“. Wenn einer sich gegen die Ali­men­te wehrt, dann hat ihn „da Amts­rich­ta dös oni­schneitn woin, dass a für dös Kind an Votan macha soit“.

Und die Flü­che! „Kreiz­birn­baum und Hol­lastaudn“, „Blua­ti­ge Hen­na­kopf“, Herrschaftsseit‘n“, Kru­zi­nesn“, „Him­mi Schim­mi“, „Sodo­ma un Gogu­me­ra“, wobei Gogu­me­ra Gur­ke bedeutet.

Und die Kraft­sprü­che „du stinkst ja wia an dei­fi sei Wersch­tahosn“ , „jam­mer­schod, dass du a Preiß bist“, „du bist ja nöd neu­gie­ri, aba wis­sen moechst ois“ , „Schmeckts Kropfa­ta“, „i der­brö­sel di“, „i fisel di o“, „i der­baaz di“, und so weiter.

Ja, end­los könn­te man Sprü­che fort­set­zen, die so im täg­li­chen Leben vom ech­ten Chiem­gau­er zum bes­ten gege­ben werden.

Text : Miche Huber

Quel­le : Hei­mat­buch des Land­krei­ses Traunstein