Der etwas ande­re Tracht­ler­jahr­tag in Hohen­aschau im Chiem­gau

von Anton Hötzelsperger am 24. Mai 2020

Der etwas ande­re Tracht­ler­jahr­tag in Hohen­aschau im Chiem­gau

von Anton Hötzelsperger am

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Zuletzt geändert: 24.05.2020

Bay­erns dritt­äl­tes­ter, 1884 gegrün­de­ter und der­zeit 520 Mit­glie­der star­ke Trach­ten­ver­ein „D´Griabinga“ Hohen­aschau hat sein tra­di­tio­nel­les Geden­ken an die gefal­le­nen, ver­miß­ten und ver­stor­be­nen Ver­eins­ka­me­ra­den heu­er wegen der Coro­na-Kri­se nicht aus­fal­len las­sen, son­dern ein­fach anders gestal­tet. Dem Appell von Ers­tem Vor­stand Claus Rei­ter, zu der Stun­de, als gewöhn­lich am Sams­tag nach Chris­ti Him­mel­fahrt der Jahr­tag gefei­ert wird, zün­de­ten die Mit­glie­der in ihren Häu­sern Ker­zen an, deren Lich­ter in Rich­tung Schloss und Schloss­ka­pel­le aus­strahl­ten.

Die Idee des Ker­zen-Jahrta­ges kam der Vor­stand­schaft bei den Über­le­gun­gen, was den Mit­glie­dern mit­ge­teilt wer­den soll zum der­zeit ver­än­der­ten Ver­eins­le­ben. „Dabei woll­ten wir nicht nur mit­tei­len, dass unse­re Ver­an­stal­tun­gen wie Stark­bier­fest oder Ver­eins­preis­plat­teln aus­fal­len, son­dern etwas Ver­bin­den­des her­stel­len. Wie gut der Gedan­ke des gemein­sa­men und getrenn­ten Geden­kens ankam, zeig­te sich gleich nach unse­rem Rund­brief, vie­le und gera­de aus­wär­ti­ge Mit­glie­der lob­ten die Akti­on“ – so  Vor­stand Claus Rei­ter,  der die prak­ti­sche Umset­zung zusam­men mit sei­nem Bru­der und Ver­eins­kas­sier Her­bert Rei­ter orga­ni­sier­te. Claus zün­de­te um die ver­ein­bar­te Zeit um 19 Uhr in der Schloss­ka­pel­le sym­bo­lisch für den Ver­ein ein Licht an, dabei ver­wen­de­te er eine Ker­ze aus dem Jahr 2009 als der Hohen­aschau­er Trach­ten­ver­ein sei­nen 125. Geburts­tag hat­te. Zeit­gleich ließ in der Schloss­ka­pel­le Her­bert Rei­ter per Hand und mit zwei Stri­cken die ins Prien­tal hin­aus­klin­gen­den Glo­cken läu­ten. Weil es bei den vor­ma­li­gen Jahrta­gen so der gute Brauch war, dass sich der Ver­ein mit Anspra­che des Ers­ten Vor­stands nach dem Got­tes­dienst in der Schloss­ka­pel­le am nahen Grab der Gön­ner-Fami­lie von Cra­mer-Klett ein­fin­det, stat­te­ten die Brü­der Rei­ter auch an die­sem Abend die­ser Grab­stät­te einen Besuch ab. „Der nor­ma­le Jahr­tag, der immer um den 22. Mai, dem Grün­dungs­tag des Ver­eins statt­fin­det, hat­te bis­lang einen ande­ren Ver­lauf; die­ser war geprägt vom Treff­punkt beim Cafe Bru­cker, unse­rem Ver­eins­lo­kal, vom Kir­chen­zug, Got­tes­dienst, von-Cra­mer-Klett-Geden­ken und anschlie­ßen­dem Hoagascht im Cafe Bru­cker. Heu­er ging das nicht, aber die Not-Form war mehr als ein Ersatz, es war stark beein­dru­ckend.“ – so Claus Rei­ter. Wie vie­le Mit­glie­der und auch Nicht-Mit­glie­der, die vom Auf­ruf hör­ten und sich der Ker­zen-Akti­on ange­schlos­sen haben, kann er zwar nicht genau sagen, aber es waren sehr vie­le auf­grund der Rück­mel­dun­gen her­nach.

Erin­ne­run­gen als letzt­mals die Schloss­ka­pel­len-Glo­cken „durch­läu­te­ten“

Auch Rose­ma­rie Anner als lang­jäh­ri­ges Ver­eins­mit­glied, die zu Füßen von Schloss Hohen­aschau und nahe dem Cafe Bru­cker in der Schloss­berg­stra­ße wohnt, zün­de­te an ihrem Fens­ter eine Ker­ze an. Als die Glo­cken der Schloss­ka­pel­le erklan­gen, wur­den in ihr Erin­ne­run­gen wach und sie weiß zu erzäh­len: „Frü­her war es Brauch, dass das Geläut ertön­te, wenn im nahen Orts­teil Bach Jemand ver­starb. Wenn der Sarg dann   auf dem soge­nann­ten Kir­chen­weg zusam­men mit den Ange­hö­ri­gen zum Aschau­er Fried­hof gebracht wur­de, dann ertön­ten die Glo­cken so lan­ge wie der Trau­er­zug mit dem Schloss in Sicht­ver­bin­dung war. Das letz­te Mal, dass die Glo­cken für einen Toten durch­ge­läu­tet haben war Mit­te der Fünf­zi­ger Jah­re für einen Kas­par Stad­ler aus Bach“. Für Rose­ma­rie Anner war das Geden­ken mit Ker­zen etwas beson­ders Berüh­ren­des, gera­de weil vor weni­gen Mona­ten ihr Mann Franz ver­starb und weil all ihre Fami­li­en­mit­glie­der mit dem Trach­ten­ver­ein Hohen­aschau eng ver­bun­den sind. Für Vor­stand Claus Rei­ter hat das Ver­eins­jahr durch Coro­na einen voll­kom­men neu­en Ver­lauf genom­men, nicht nur, dass die Pro­ben, Zusam­men­künf­te und Ver­an­stal­tun­gen für die Som­mer­zeit abge­sagt sind. Gro­ße Vor­freu­de herrsch­te bereits, weil der GTEV Hohen­aschau Göd beim GTEV Ber­gen ist und damit beim gro­ßen Gau­fest des Gau­ver­ban­des I in Ber­gen schön mit­ge­fei­ert hät­te. „Für die­ses Fest haben wir bereits mit den Trach­ten­ver­ei­nen von Vachen­dorf und Gra­benstätt, bei denen die Ber­ge­ner Tracht­ler Pate sind, ein gemein­sa­mes Fah­nen­band ange­schafft. Hof­fen wir, dass wir die fei­er­li­che Über­ga­be nach­ho­len kön­nen“ – so Vor­stand Claus Rei­ter, des­sen wei­te­re Hoff­nung noch ist, dass der letz­te für heu­er geplan­te Hei­mat­abend am 2. Okto­ber in der Aschau­er Fest­hal­le doch noch statt­fin­den kann. 

Text: Anton Höt­zel­sper­ger